Oft eine Auflösung, manchmal eine Reunion – ein bisschen Nostalgie ist in jedem Fall dabei. Deutsche Punkbands wie muff potter, Captain Planet oder Findus sind in die Jahre gekommen. Früher war alles besser? Stimmt nicht. Mit Die Nerven, Lafote, Karies, Friends of Gas oder Pabst steht eine neue Generation deutscher Künstler längst in den Startlöchern.

Der deutsche Punk lebt. Erst vor wenigen Wochen gaben muff potter nach zehn Jahren neue Konzerttermine für 2019 bekannt – fast alle sind bereits ausverkauft. Doch gute deutsche Musik ist nicht nur in den 90ern und in den Nullerjahren entstanden. Das zeigt zum Teil schon der Blick in den diesjährigen Konzert- und Festivalkalender: Die Nerven, Pabst, Lafote, Karies, Gewalt und Friends of Gas. Wir stellen euch eine kleine Auswahl vor, die es uns angetan hat.

Die Nerven

Das Trio aus Stuttgart ist spätestens seit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „FAKE“ in aller Munde. Das dritte Album von Max Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn wurde von der Musikpresse durchweg hoch gelobt – zu Recht. In einer Zeit, in der täglich die immergleichen, kitschigen Balladen zahlreicher Deutschpoeten aus dem Radio quäken, lassen uns Die Nerven mit ihrem durch starkes Songwriting und ausufernde Instrumentalparts geprägten Krautrock aufatmen.

Karies

Karies und Die Nerven haben sich zeitweise schon ihre Bandmitglieder geteilt. Kein Wunder also, dass die Stuttgarter Band auch musikalisch aus ähnlichem Holz geschnitzt ist. Auf „Alice“, der neuesten Veröffentlichung von Karies, produziert von Die Nerven-Sänger Max Rieger, treffen harte Riffs auf industrielle Beats. Hört man den Opener „Holly“, treiben einen Gitarren und Gesang einfach direkt durch das 12 Songs lange Album. Herrlich rastloser Post-Punk.

Lafote

Eine Band, die über glitschiges Spaghettieis singt und es sich nicht nehmen lässt, im Musikvideo rotzfrech mit einem Pferd über den Hamburger Rathausvorplatz zu reiten, kann nicht schlecht sein. Das erst diese Woche erschienene Debüt „FIN“ von Lafote bestätigt diese Annahme. Jakob Groothoff, Malte Zimmermann und Stefan Kühl verbinden Hamburger Schule mit Noise-Rock, ohne dabei wie Nachahmer von deutschen Größen wie Tocotronic oder Blumfeld zu wirken. Das wissen auch Die Sterne: Lafote waren auf der 2017 veröffentlichten „Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne“-Compilation zu hören.

Friends of Gas

Schon einmal so eine Stimme gehört? Nee, oder? Nina Walser, die Sängerin von Friends of Gas, etikettiert das Soundgewand des Quintetts mit ihrer beeindruckend rauen Stimme. Wie im Wahn trägt die Sängerin kluge, teils sehr kryptische Texte vor, zieht in den düsteren Bann der Band.

Pabst

Wäre da nicht der Name, würde man mitunter nicht auf die Idee kommen, dass es sich bei Pabst um eine deutsche Band handelt. Und ist das nicht eigentlich das größte Kompliment, dass man ihnen machen kann? Auch sie haben, ähnlich wie Lafote, erst in diesem Jahr ihr Debüt veröffentlicht. Auf „Chlorine“ lotet das Dreiergespann aus Berlin die Grenzen des Indierocks in Richtung Noise-Rock und Post-Punk aus.

Gewalt

Mit Gewalt erschien 2015 ein Trio auf der Bildfläche der deutschen Musiklandschaft, das sich jeglichen Konventionen entzieht – die Band betreibt alles DIY. Das könnte unter anderem an der Vorgeschichte von Frontmann Patrick Wagner liegen: Dieser spielte um die Jahrtausendwende in der Band Surrogat, war zeitweise Teil der Plattenfirma Kitty-Yo und führte mit Louisville Records ein eigenes Label bis dieses insolvent ging. Gemeinsam mit Helen Henfling und Yelka Wehmeier erscheint Wagner mit Gewalt nach 12 Jahren Musikabstinenz wieder auf dem Radar. Das klingt vor allem herrlich sperrig und unvoreingenommen.