Sam Vance-Law // © J. Konrad Schmidt

Eine zarte Bariton-Stimme, ein Händchen für Melodien mit Ohrwurmgarantie und das Auftreten eines Gentlemans – Sam Vance-Law lässt unsere Herzen mit den ersten Veröffentlichungen zu seinem kommenden Debüt höher schlagen. Im Interview mit uns spricht er unter anderem über seinen musikalischen Werdegang, persönliche Vorbilder und die Zusammenarbeit mit Konstantin Gropper.

Eins haben die drei bisher veröffentlichten Single-Auskopplungen des gebürtigen Kanadiers wohl gemeinsam: Sie gehen ins Ohr. „Prettyboy“, „I Think We Should Take It Fast“ und „Gayby“ haben bereits für einige Furore im Netz gesorgt. Glücklicherweise lässt das Release des Debüts „HOMOTOPIA“ nicht mehr lange auf sich warten. Bereits am 2. März wird das Album via Caroline veröffentlicht. Ebenso smart, wie der junge Kanadier in seiner Musik die Vorzüge und Schwierigkeiten der gleichgeschlechtlichen Liebe beschreibt, beantwortete er uns noch einige offene Fragen.

Als Kind hast du dich vor allem der klassischen Musik gewidmet. Seit wann hast du dich der Popmusik verschrieben und woher kam dieser musikalische Wandel?

Meine Familie zog zurück nach Kanada, als ich sechzehn war. In England, wo ich vorher lebte, war ich immer an klassischer Musik interessiert. Meine neuen Freunde in Edmonton waren aber in Rock-, Pop-, Punk- und Noise-Bands und hatten fast nichts mit klassischer Musik zu tun. Ich ging also zu deren Liveshows und habe gleich die Stimmung und die Lieder geliebt. Ich wollte dann sehen, wie es wäre, auf meine Art und Weise diese zwei musikalischen Welten zusammenzubringen. 


 

Welche musikalischen Einflüsse spiegeln sich in deiner Musik wider?

Da ich mit Chormusik groß geworden bin, gibt’s immer viel mehrstimmiges Singen. Und da ich Orchester und Quartette mag, gibt’s auch viele orchestrale Elemente. Und, natürlich, gibt’s auch die Band- und die Pop-Seite. Von den Arrangements her sind das also meine Einflüsse. Warum meine Musik klingt wie sie klingt, weiß ich aber auch nicht. Die Lieder, die ich geschrieben haben, klingen so gar nicht nach meinen Lieblingsbands und -projekten. Keiner hat mich mit Kendrick Lamar oder Animal Collective oder St. Vincent oder Beyoncé verglichen, was traurig ist. Aber okay. Und ich höre, ich soll nach Father John Misty klingen, obwohl ich seine Musik noch nicht kenne. Was meine genauen Einflüsse sind, ist da vielleicht schwer zu sagen.

Wahlheimat Berlin – wieso?

Zufall. Und Glück! Hier fühle ich mich sehr wohl und habe Zeit Musik zu machen. Könnte kaum besser sein.

Bei der Arbeit an deinem Debüt unterstützte dich Konstantin Gropper von Get Well Soon. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Würdest du ihn als Mentor weiterempfehlen?

Konsti und ich haben uns vor ein paar Jahren kennengelernt. Wir teilten eine Bühne und später habe ich auch Violine für Get Well Soon gespielt. Wir kannten uns also bereits. Und irgendwie hat er ein Exemplar meiner Platte bekommen und sah darin die Möglichkeit das Ganze zu verbessern. Er hat sofort begriffen, was ich da machen wollte und was die Platte brauchte, und wir beide haben dann easy peasy harmonisch zusammengearbeitet. Ich würde ihn absolut als Mentor empfehlen!

Dein Debüt spielt mit dem Titel HOMOTOPIA auf das Thema Homosexualität an. Was möchtest du deinen Hörern in Bezug auf das Thema mit auf den Weg geben?

Die Lieder sind Geschichten über die Liebe und Hass und Sex und Familie und Ehe und Fantasien und Hamburgeressen und Tanzengehen und alles, was alle Menschen machen. Natürlich sind es auch Geschichten, die aus einer Perspektive kommen, die ein bisschen anders ist, als in den meisten Popsongs. Aber, egal was ich sage, es gibt nichts Besseres, als einfach reinzuhören.

 

Foto Credits: J. Konrad Schmidt