Otto Schall // ©Damian Irzik
Otto Schall // © Damian Irzik

Otto Schall schieben den grauen Alltag beiseite und nehmen euch mit auf einen Wellenritt voller Spontanität. Die Debütsingle „Maktub“ könnt ihr euch bei uns ein allererstes Mal anhören.

Pflichtbewusst, humorlos, verkrampft – der Spießbürger von nebenan. Mit Otto Schall kommt nun eine Band aus Mannheim zusammen, die euch genau diese Vorurteile vergessen lässt. Stattdessen packen die Jungs euch an der Hand, springen aufs nächste Skateboard und fahren dem Horizont entgegen auf der Suche nach dem nächsten Surfspot. Dabei haben sich Tobias und Justus, die zwei Initiatoren der Band, an einem schier ungünstigen Ort für spontane Aktionen kennengelernt. Drei der vier Mitglieder studieren nämlich an der Popakademie in Mannheim Musikbusiness und bekommen tagtäglich den Drive der heutigen Musikwelt zu spüren. 

„Anfangs durften wir die Proberäume nicht nutzen und auch sonst wird an der Popakademie ziemlich streng zwischen den Business-Studiengängen und dem Kreativ-Studiengang getrennt. Mittlerweile unterstützt uns die Poppe aber eigentlich ziemlich gut und wir sind auch froh, dass wir als MB’ler die Proberäume nutzen durften“, bemerkt Justus. „Ich glaube, wir haben durch die Popakademie alle ein wenig das tägliche Musizieren verloren“. Bei langen Tischtennis-Battles haben Tobias und Justus zwangsläufig auch irgendwann über Musik gesprochen und schnell bemerkt, dass sie hier auf einer Wellenlänge schwimmen.

„Es passierte alles sehr intuitiv, ich habe Justus mein altes Singer-Songwriter-Projekt gezeigt und dann haben wir festgestellt, dass wir aber auch Acts wie Real Estate, Beach Fossils oder Allah-Las und The Growlers total abfeiern“. Schnell wurden erste Songs skizziert und die Lust der beiden zusammen etwas zu starten, wurde immer größer. 

Was dann passierte, sollte eine unendliche Kette an Zufällen sein. Zuerst stieg Julian Werth am Bass mit ein, der mit Justus Hunfeld in einer WG wohnt. „Irgendwann im Januar haben wir dann einen Proberaum in Mannheim geklärt und durch Zufall haben wir beim Einräumen des Stuffs  den Nachbarn der beiden Jungs getroffen und ihn einfach spontan gefragt, ob er Bock hätte mitzukommen“, meint Tobias Klaß. „Wir haben halt noch eine Lead-Gitarre gebraucht“. Ein paar Minuten später raste Julius Karch, der Medizinmann der Band, mit seinem Rennrad an den Jungs vorbei und traf sie unwesentlich später vor dem Eingang des Proberaums. 

Es ist diese Spontanität, die sich wie ein Faden an roter Zuckerwatte durch den noch kurzen Werdegang der Band zieht. Dies macht ihre erste Single „Maktub“ deutlich. „Ich würde sagen, dass „Maktub“ vom Sound her die wenigsten Kanten hat. Es ist ein Track, der einfach eine schöne Geschichte erzählt. Ich bin mal in fast zweieinhalb Wochen in Marokko zum Surfen kleben geblieben und habe dort in einem traumhaften, kleinen Fischerdorf namens Imsounae eine Person kennengelernt, die mich sehr geprägt und inspiriert hat. Es war alles eine Momentaufnahme und irgendwie fügt sich damit auch unsere Entwicklung als Band. Es war ein spontanes Gefühl“.

Otto Schalls Musik ist gleichzeitig Suche wie Verweilen. Es werden Fragen gestellt auf die sich überraschend oft relativ simple aber super clevere Antworten finden lassen. Wie ihr Bandname, den sie gemeinsam bei einem Falafel am Mannheimer Marktplatz spontan gefunden haben. Otto Schall sind vier Musiker, die das Leben von der Schwermütigkeit befreien wollen. Dies transportieren sie  zu 100% in ihrem Sound.

„Ich habe den Wunsch, dass wir unser Leben nicht zu ernst nehmen. Wir wollen die Leichtigkeit bewahren“, meint Tobias mit voller Ernsthaftigkeit bevor er dann mit Justus beim Beschreiben des Sounds ins Schwärmen gerät: „Julius spielt so knutschbunte Gitarrenmelodien obendrauf, die unseren Sound voll geprägt haben.“ 

Wo andere Bands längst aufgegeben hätten, suchen Otto Schall nach der naheliegendsten Lösung, wie auch die Anekdote zu ihrem ersten Gig zeigt. “ Eigentlich war der Gig schon, den wir auf ’nem Surf Festival spielen sollten schon abgesagt. Es konnte wegen eines Sturmes nicht stattfinden und dann haben wir spontan in Kiel in so ’nem richtigen Bunker einen Ersatz-Gig organisiert. In Kiel haben wir dann vor einem Café einen Tontechniker kennengelernt, der rein zufällig gerade dort gefegt hat und unsere Unterhaltung mitgehört hat. Noch zufälliger hat der Typ dann auch noch Tontechniker studiert. Am Ende des Abends haben wir vor 50 Leuten ein sweaty Konzert gespielt“. 

Man spürt förmlich, wie die Tobias und Justus ihr Glück manchmal selber kaum fassen können. „Es ist alles so richtig random und das ist einfach sehr schön zu merken. Wenn man einen Wunsch verspürt und dem nachgeht, finden sich immer auch Leute, die Lust haben mitzuwirken!“ 

Diese gelebte Spontanität führt auch dazu, dass die Jungs auf das Vertrauen ihres Umfeldes zählen müssen. Sei es die befreundete Band FIBEL oder ihr Produzent Jan-Hendrik Schmid oder Mathias Fleck, der das Video zu „Maktub“ realisiert hat. „Wir haben durch die Kurzfristigkeit einfach sämtlichen involvierten Menschen vertraut, dass sie unseren Stil, unseren Vibe verstehen“.

Doch zwischen der Lässigkeit der East Coast, den versteckten und auf Sick getunten Gitarren Mac DeMarcos und der Liebe zum Surfen versteckt sich auch eine Portion Ernsthaftigkeit. „Es ist nicht alles Dada bei uns aber wir versuchen unseren Sound mit einer lockeren Attitüde zu vermitteln. Das spiegelt sich vor allem im Instrumentellen wieder“.

Eines ist klar – Otto Schall werden mit ihrem deutschsprachigem Slackertum einen bunten Klecks unserem dem grauen Alltag hinterlassen. Gut möglich, dass dieser Klecks sich schnell zu einer großen Welle ausbreitet und wir bereits mit dem Release ihrer ersten EP alle ein bisschen mehr Farbe in unser Leben bekommen. 

Die Premiere zu „Maktub“ von Otto Schall gibt’s hier: