Minimalismus trifft auf Stimmgewalt. Demian und Inéz alias ÄTNA aus Dresden machen kontrastreichen Elektro-Pop, der es in sich hat. Zarte Pianoklänge und wuchtige Beats wechseln sich ab und verschmelzen mit Inéz‘ kraftvollen Timbre zu einem beeindruckenden Gesamtwerk. Dass die Liste der Künstler, die diesen einzigartigen Sound inspirieren, lang ist, verrät uns das Duo im Interview.

Ein feines Fingerspitzengefühl beweisen Inéz und Demian alias ÄTNA längst nicht nur durch ihre musikalischen Arrangements. Vielmehr begeistert das Duo durch eine ästhetische Kombination von Musik, Videokunst und Mode. Die einzigartigen Oneshot-Musikvideos, beispielsweise zu „Walls“, „Remission“ und „Bond“, übertragen den ungewöhnlichen Sound von ÄTNA auf eine visuelle Ebene. Lange Kamerafahrten und originelle Drehorte verleihen den Videos einen individuellen Charakter mit Wiedererkennungswert. Auch in dem am 26. Januar erschienen Video zu der neuen Single „Brother“ wird die künstlerische Ader von Inéz und Demian zweifelsohne ersichtlich. Im kurzen Interview geben die beiden Kunst-Allrounder einen Einblick in musikalische Hintergründe, Inspirationen und Einflüsse.

Wie habt ihr als Band zusammengefunden? Welche musikalischen Hintergründe habt ihr beide in das Projekt mit eingebracht?

Wir haben beide Jazzmusik studiert, Inéz Gesang und Demian Schlagzeug. Über das Umfeld der Hochschule haben wir uns kennengelernt. Neben dem Studium haben wir vor allem unsere eigenen Hörerfahrungen mit in die Band gebracht, hier eine kleine Auflistung von prägenden Wegweisern:

Franz Schubert, Enya, John Coltrane, NOFX, Bad Religion, Kanye West, Edith Piaf, Jobim, Sting, Sade, Yann Tiersen, Chi Coltrane, Nirvana, Joni Mitchell, Bruce Springsteen, Philipp Glass, John Zorn, Whitney Houston, Prodigy, Kenny Wheeler, Oumou Sangare, Jigjeit Chitra, Korn, Michael Jackson, Hildegard Knef, Paul Simon…

In eine Genre-Schublade passt ÄTNA nicht. Wie würdet ihr euren Sound selbst beschreiben?

Ambivalent.

Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Musik?

Für die Musik alles was oben aufgelistet ist. Für die Texte dienen Weltansicht, Nachrichten, innere Zerrissenheiten, Abseiten, Umwelt und Umgebung als Inspiration.

Eure aktuellen Musikempfehlungen, die wir nicht verpassen sollten?

Trettmanns #DIY, Martin Kohlstedt, Komfortrauschen, Parcels, Everything Everything, Hiatus Kaiyote, Ikan Hyu.

Alles handgemacht, ganz ohne Computer – so steht es auf eurer Webseite. Wie entsteht eure Musik?

Sagen wir ohne Laptop. Die Instrumente, die Demian nebst Schlagzeug spielt und ich sind schon elektrisch. Synthesizer, Slicer und Hallgeräte etc. Wir mögen es nur nicht, auf der Bühne an Laptops zu spielen.

Inwiefern beeinflusst euch Dresden als Entstehungsort von ÄTNA?

Dresden ist eine sehr übersichtliche Stadt. Gemütlich und gut zum Arbeiten und gute Naherholung gibt es auch. Zur Alltagsrealität gehören allerdings auch rechte Gruppierungen, die lautstark rumpöbeln. Da ist es wichtig, dagegenzuhalten. Wir reihen uns immer mal wieder musikalisch in die Gegenproteste ein und verarbeiten diese Thematik auch häufiger in Songs.

Wie würdet ihr die lokale Musikszene und die Zusammenarbeit der Musiker untereinander hier in der Region beschreiben?

Es passiert ziemlich viel in Dresden. Kennt ihr die Banda Communale? Oder Sojus1 oder Dyse?

Durch die Musikhochschule gibt es auch viele Musikstudenten in der Stadt. Mit den Clubs Tonne, Scheune, Societaetstheater, Groove Station und Beatpol sind wir echt gut aufgestellt.

Für dieses Jahr sind schon einige Auftritte im In- und Ausland geplant. Auf was freut ihr euch besonders? Wie reagiert das internationale Publikum auf eure Musik?

Letzte Woche ging es zum ersten Mal nach Tallinn, das war ‘ne schöne Erfahrung.

Wir freuen uns außerdem sehr auf den Festivalsommer. :-)

Wir haben letztes Jahr zwei Tage vor dem Referendum in Istanbul gespielt. Es gab ein paar Leute im Publikum, die den Text von unserem Song „Walls“ mitsingen konnten. Das ging unter die Haut.

Was bringt die Zukunft sonst so für ÄTNA?

Wir drehen viele Musikvideos, oft als Oneshot mit ungewöhnlichen Wendungen, bei denen parallel also quasi live die Musik mitgeschnitten wird.

Im Herbst kommt ein neuer Release von uns.

Tourdaten:

16.04.2018 – Leipzig, UT Connewitz
12.05.2018 – Eberswalde, Jazz in E. Festival
31.05.2018 – Augsburg, Modular Festival
17.06.2018 – Mannheim, Maifeld Derby Festival
13.-15.07.2018 – Brüssow, Sacred Ground Festival
04.08.2018 – Varel, Watt En Schlick Festival
18.08.2018 – Storkow, Alínæ Lumr Festival
24.08.2018 – Lüneburg, Kulturforum

 

Fotos: Anna Rüstig und Kani Marouf