Westerman // © Jamie Sinclair

Alle Jahre wieder pilgert jeder, der in der Musikszene Rang und Namen trägt, sowie unzählige Liebhaber schöner musikalischer Neuentdeckungen ein ganzes Wochenende zur Reeperbahn. Denn dort zwischen den angesagten Clubs und dem pulsierenden Nachtlebens Hamburg befindet sich einmal im Jahr das Mekka der Musikszene. Die Highlights in diesem Jahr waren schon wieder zahlreich, so dass wir die 30 Acts in zwei Teile aufsplitten mussten. Los geht’s mit Teil 1:

Parcels

Muss man Parcels eigentlich noch groß vorstellen? Die nach Berlin ausgewanderten Aussies sind der am heißesten gehandelte Act in der Indie-Szene und glänzen schon seit einiger Zeit auf den größten Festivalbühnen Europas. Dies haben auch die Electro-Nerds von Daft Punk erkannt und sie zu einer gemeinsamen Produktion eingeladen, die es noch nicht einmal auf die Tracklist des Debütalbums geschafft hat. So viel zu der Hit-Palette der Band.

Freitag, 23:20 Uhr Grosse Freiheit 36

Pip Blom

Pip Blom bringen genau die Unbekümmertheit mit, die man von einer niederländischen Garageband erwarten würde. Ihre Texte sind mal leicht, mal ungeschönt direkt. Getrieben wird der Sound von wilden Gitarren und dem frechen Gesang der Frontfrau Pip. Momentan schreibt die Band zwischen den ganzen Nebenjobs an ihrem Debütalbum, das mindestens so aufregend wie die bereits vorhandenen Singles werden soll.

Donnerstag, 15:30 Uhr Molotow / Club
Freitag, 00:00 Uhr Prinzenbar

Planetarium

Planetarium schämen sich nicht zu sagen, dass sie Popmusik machen. Dies ist auch nicht verwerflich, dann Popmusik gefällt per Definition auf jeden Fall einer großen Masse an Menschen. Dabei ist der Sound des Kölner Quartetts weitaus komplexer, als man denken könnte. Sie begeben sich auf urbane Sphären durch die Indie-Nächte und treffen in diesen Soundlandschaften mal Acts wie Bilderbuch, mal die höchste Eisenbahn. Mit „Magie“ liefern sie einen sommerlichen Eindruck ihrer musikalischen Dynamik.

Freitag, 19:30 Uhr Thomas Read

Pom Poko

Noch eine norwegische Band hat ihren Weg ins Programm gefunden. Pom Poko klingen vom Namen her zwar wenig skandinavisch, lehnen sich jedoch an den gleichnamigen Anime-Klassiker von Isao Takahata an. Was hier die genau Verbindung ist, darüber kann nur spekuliert werden. Musikalisch klingt die Band vor allem nach Party-Soundtrack. Hüpfende Gitarren treffen hier auf den süßlichen Sing-Sang von Sängerin Ragnhild, dazu groovige Gitarrenriffs und eine große Prise K-Punk.

Freitag, 21:45 Uhr St. Pauli Fanshop
Samstag, 19:40 Uhr Knust

SASSY 009

Definition: „Someone that is just the coolest person ever, and uses sarcasm in the coolest and funniest of ways. Most sassy people are very lovable.“ Lovable ist das Trio aus Norwegen mit ihrer verdrehten Mischung aus Rave-Kultur und Hinds-Vocals auf jeden Fall.

Donnerstag, 22:55 Uhr Moondoo

Tamino

Amir Moharam Fouad alias Tamino aus Belgien ist unserer Meinung nach the next big thing. Der gefühlvolle Indie-Rock des Musikers ist durch die klassischen Kompositionen ein wahres Kunstwerk. Sein Sound aus reduzierten Melodien, den vielschichtigen Gesangsstil und dem poetischen Songwriting fehlt es trotz seiner andächtigen, dunklen Softness nicht an Ausdrucksstärke. Wir sind gespannt wo es mit Tamino noch hingeht, im Oktober erscheint zumindest erstmal sein Debütalbum.

Freitag, 21:20 Uhr Imperial Theater
Samstag, 23:20 Uhr St. Pauli-Kirche

The Ninth Wave

Nein, hier ist nicht das Gemälde des russischen Malers Ivan Aivazovsky gemeint. Auch wenn der Bandname des Quartetts daran angelehnt ist. The Ninth Wave aus Schottland servieren herrlich düsteren Indie-Rock mit 80er Jahre-Vibes und Post-Punk-Einflüssen. Das einzige was die Band mit dem russischen Maler wohl gemeinsam hat ist der Faible für die Schönheit der Natur, die The Ninth Wave in ihren Texten ausdrucksvoll beschreiben sowie der Hang zu kunstvoll gestalteten Bildern (siehe die Albumcover der Band!).

Freitag, 21:15 Uhr Molotow / Club

The Magic Gang

Hier trifft klassisches Songwriting auf eindringlichen Gitarrenpop á la Weezer. Mit ihrer jugendlichen Überschwänglichkeit und einem Katalog an lebensbejahenden Slacker-Pop-Hymnen sind The Magic Gang aktuell DIE Vorzeige-Gitarrenband. Auch wenn Gitarrenrock-Bands gerade nicht so in Mode sind, beweisen The Magic Gang mit ihrem gleichnamigen Debüt, dass sie ein Händchen für eingängige Melodien und Harmonien haben.

Freitag, 12:10 Uhr Molotow

Westerman

Hauchzart und sehr verträumt kommen die Songs von Westerman daher. Mit seinen gefühlvollen Indie-Balladen und der Nummer „Confirmation“ erschien der Singer-Songwriter Anfang diesen Jahres quasi aus dem Nichts in der Musikszene. Dabei macht der Londoner schon seit 2016 Musik. Kaum vorstellbar jedoch, dass Westerman damals mit Folk angefangen hat. Mit seinem Dream-Pop-Indie trifft er jedoch den Nerv der Zeit und auch unsere Synapsen – mehr davon!

Donnerstag, 20:00 Uhr Prinzenbar

Yukno

Yukno, das sind die Brüder Georg und Nikolaus aus der Steiermark. Im Gegensatz zu dem verschlafenen Kaff aus dem das Duo kommt, klingt der Sound der Beiden sehr urban. Elegant verstricken sie handgemachte Indie-Pop-Elemente, betten dazu dezent Gesang ein, dazu noch eine Prise Elektro und Synthies und voilá ein ganz eigenes tanzbares Soundgewand entsteht. Mit ihrer Musik treffen Yukno den Zeitgeist, so dass man gar nicht drumherum kommt das Debüt der Beiden auf Repeat zu stellen.

Freitag, 20:00 Uhr Indra

Agar Agar

Nach zwei grandiosen EPs folgt diesen Herbst endlich das Debütalbum des französischen Duos. Clara Cappagli und Armand Bultheel machen melancholischen Indie-Pop. Kombiniert mit Claras charakterischer Stimme und der oftmals wiederkehrenden hartnäckigen Bassschleifen in den Tracks. Alles sehr atmosphärisch und gleichzeitig sehr ironisch – absoluter Geheimtipp der schon gar kein Geheimtipp mehr ist!

Mittwoch, 21:20 Uhr Mondoo

The Homesick

Dokkum ist das niederländische Landstück aus dem aktuell die nächste große Psych-Indie-Rock-Hoffnung kommt. The Homesick machen so schönen Retro-Rock, der so herrlich nach schrammeligen Gitarren und ungeschliffenen Gesang klingt und dabei so unverfälscht, pur und selbstbewusst wirkt. Daneben hat die Band so viel Freude auf der Bühne, dass man sie auf jeden Fall beim Reeperbahn Festival nicht verpassen sollte!

Mittwoch, 22:30 Mojo Jazz Café
Donnerstag, 16:00 Uhr Molotow / SkyBar

Great News

Bei dem norwegischen Bergen denkt man sofort an Kakkmaddafakka. Nein, Great News haben musikalisch fast nichts mit ihren Landsmännern zu tun, klingen dabei aber ebenso groß wie die Indie-Pop-Band. Mit ihrem Sound aus Daze-Pop, den aufgeweckten Gitarren-Melodien und den shoegazigen Klanglandschaften klingt das Trio aus Norwegen einfach nur frisch und anmutig.

Donnerstag, 21:20 Uhr Prinzenbar

Darwin Deez

2010 hatte Darwin Deez mit „Radar Detector“ den Sprung direkt auf die Tanzfläche in jedem Indie-Schuppen geschafft. Die Popmusik von Darwin Deez überzeugt durch seine Einfachheit, den catchy Hooks und durch seine fröhlichen tanzbaren Melodien. Kein Newcomer mehr beim diesjährigen Reeperbahn Festival aber definitiv eines der Highlights.

Samstag, 23:10 Uhr Gruenspan

Iris Gold

Ihren Durchbruch hatte Iris Gold Anfang des Jahres mit „All I Really Know“. Plötzlich war die Power-Hymne der Dänin überall zu hören. Musikalisch ist Iris Gold inspiriert von Soul, Dance und tanzbaren Hip-Hop Beats. Live ist die Musikerin eine wahre Naturgewalt und ihre Soundklanglanschaften entfalten sich auch erst durch farbenfrohe Lichtshows in schummrigen kleinen Clubs.

Samstag, 22:30 Uhr Indra

Texte von: Melina Rehhorn und Yannick Philippe