Die neue Ehrlichkeit kommt aus Mannheim und heißt Fibel

Fibel aus Mannheim präsentieren ihren ersten Song
Fibel // © Leif Dölle

Wir präsentieren das erste Lebenszeichen einer jungen Band aus Mannheim, von der wir dieses Jahr hoffentlich noch einiges mehr hören werden.

Mannheimer Popakademie, das klingt, zugegebenermaßen oberflächlich betrachtet, nach Leuten wie Joris, Frida Gold und vor allem nach dem großen Verwirrten der deutschen Radiounterhaltung,  Xavier Naidoo. Puh, klingt so gar nicht nach Punk. Den aber machen die vier Jungs von Fibel, die heute zum allerersten Mal in ihrer neu gefundenen Besetzung etwas von sich hören lassen und die sich eben an jener Hochschule zusammengefunden haben. Wenn Sänger Jonas Pentzek allerdings  anfängt, von der „Kripo Hass“, der „Kripo Liebe“ und der  „Kripo Wahn“ zu singen, hat das so wenig mit radiotauglichem Hitgemixe zu tun, wie ein Bukowski Protagonist mit einem Treffen der Anonymen Alkoholiker. Der Song jagt und hastet unaufhörlich durch Pentzeks Metapher der innerseelischen Kriminalpolizei und scheint sich im fast geschrienen Refrain, der ähnlich einer proklamierten Parole aus einem einzigen Wort besteht, nicht mehr auffangen zu können. Genau diese ausbrechende und unkontrolliert wirkende Emotion, verbunden mit der verbildlichten Sinnsuche des eigenen Selbst ist es, die „Kripo“ zu so spannendem Postpunk machen. „Es kommt der Tag, an dem die Wahrheit euch ins Auge sticht“, das klingt pathetisch und großspurig für eine so junge Band, die weit davor steht, musikalisch Fuß zu fassen. Und vielleicht fällt es deswegen von Anfang an schwer, sich dem Wahnsinn der Ehrlichkeit, den die Mannheimer musikalisch umsetzen wollen, zu entziehen.

Fibel, das sind Jonas Pentzek, Dennis Borger, Noah Fürbringer und Lukas Brehm. Ob die jungen Männer bereit sind, sich mit den oben genannten Absolventen ihrer „Poppe“ in einer Reihe nennen zu lassen, ist schwer vorstellbar. Natürlich, da gibt’s ja noch die Get Well Soons und Markus Ganters, mit denen man sich als philosophierender Postpunker eher identifizieren könnte. Nur ist es das, was die Musik, die hier gemacht wird, ausmacht? Wir wagen das stark zu bezweifeln, denn wer so verzweifelt nach der „Kripo“ schreit, dem kann herzlich egal sein, wer vor ihm auf den Bänken des Hörsaals Platz gefunden hat. Die Rohheit des Sounds und die Thematik, die Fibel hier ausbreiten, erzeugen eine beklemmende und ziellose Atmosphäre, der sich nicht nur Fans von Der Ringer oder britischem Postpunk der 80er Jahre entziehen werden können. Pls save me Kripo.