11 Minuten vertonte Nachdenklichkeit – The War On Drugs lassen seit langem wieder von sich hören

The War On Drugs veröffentlichen Thinking of a Place
The War On Drugs // Screenshot

„Thinking of a Place“ erscheint im Zuge des Record Store Days und setzt den atmosphärisch stilbildenden Sound von „Lost In The Dream“ fort.

Wer 2014 nicht in einem Loch in der Erde oder mit Aluhut im umfunktionierten Camping Van verbracht hat und sich einigermaßen um die Pflege seines Musikgeschmacks kümmert, kam vor mittlerweile auch schon drei Jahren nicht um das letzte Album der Band um Sänger und Mastermind Adam Granduciel herum. „Lost In The Dream“ nahm und nimmt den Hörer langsam aber vollständig in seinen Kosmos aus Classic Rock Referenzen, sich still entwickelnden Indie Hymnen, die atmosphärisch zwischen verzweifelter Einsamkeit gebrochener Protagonisten und ihrem Optimismus, den der nächste Neuanfang mit sich bringt, zu schweben scheinen. Wer sich „Burning“ auf einer nächtlichen Autofahrt in vollster Lautstärke zu Gemüte führt, versteht wahrscheinlich, warum die Musikpresse Ende 2014 in nahezu vollständiger Übereinstimmung das dritte Studio Album der Gruppe aus Philadelphia zu einer der Veröffentlichungen des Jahres erkor.

Ohne ernsthaft an die Öffentlichkeit zu treten, ist es still geworden um The War On Drugs. „Thinking of a Place“, das heute als 12 Inch Single erscheint, ist der erste Song seit knapp drei Jahren. Als würde man für die Wartezeit aufkommen wollen, geht der Track elf Minuten, die sich trotzdem noch zu kurz anfühlen. Die Synthies, kombiniert mit den typischen Gitarren und Granduciels Stimme, die dem Song immer wieder neues Tempo verschafft, ergeben eine Atmosphäre voller Ruhe, Getriebenheit und musikalischer Wärme. The War On Drugs sind geduldig, geben ihrer Kunst so viel Platz, wie sie benötigt und schaffen es, innerhalb eines einzigen Songs Momente des Innehalten herzustellen, die die elf Minuten von „Thinking of a Place“, ähnlich einem guten Kurzfilm, zu einer vielfältig schillernden Reise werden lassen, auf der man nicht vergessen sollte, ständig den Kopf zu drehen, um ja nichts von der vorbeiziehenden Landschaft zu verpassen. Nur um danach wieder auf den Repeat Button zu klicken.