In ihrem zweiten Album „Forever Turned Around“ begeben sich Whitney mit einem Mix aus Leichtigkeit und Wehmut auf eine Reise des Erwachsenwerdens.

Das Leben eines Mittzwanzigers kann sehr turbulent sein. Wir lernen, wohin unser Lebensweg gehen soll und dass nicht alles so läuft wie geplant. Julien Ehrlich und Max Kakacek erkennen, wieviel in kurzer Zeit passieren kann. Whitney verpacken diese Gefühle in einem indie-souligen Soundgewand und sprechen vielen jungen Menschen aus der Seele.

Ihr hoch gelobtes Debüt „Light Upon a Lake“ (2016) schlägt für das Duo das Tor zur Welt auf. Von Chicago geht es für die Band auf die Bühnen der Welt. In dieser wichtigen Phase ihres Lebens verbringen sie viel Zeit miteinander, egal ob im Bandraum oder auf Tour. Sie harmonieren und genau das zieht sich durch „Forever Turned Around“. Ihre Freundschaft ist die Konstante in einer sich schnell verändernden Zeit.

Der typische Whitney-Sound

Das Album beginnt mit einem Song über die Höhen und Tiefen einer Langzeitbeziehung. In „Giving Up“ paaren sich die klangvollen Klaviermelodien mit den jazz-angehauchten Gitarrenriffs und der zarten, fast zerbrechlichen Stimme Ehrlichs: „Though we started losing touch. I’ve been hanging on because, you’re the one I love“. Fast schweift der Hörer aus Verzweiflung in eine Art Melancholie ab, um dann plötzlich durch einsetzende Trompeten aus der Träumerei auszubrechen und auf einer Welle der Euphorie zu schwimmen. Dieser Kontrast aus entspanntem Indie-Pop und tiefgründigen Lyrics macht das Album so spannend.

„Used To Be Lonely“ spiegelt die gemeinsame Arbeit der engen Freunde wieder. Ehrlich singt, umrahmt von unbeschwertem 70er Jahre Soft-Rock Vibes: „Well it made no sense at all. Until you came along“. Ihre Freundschaft hilft ihnen auf der Suche nach sich selbst. Während der Entstehung des Albums tauschen sie die Rollen. Auch Kakacek beteiligt sich am Songwriting. Das gegenseitige Verständnis untereinander sei ein wichtiger Teil der vergangenen drei Jahre gewesen, so der Leadgitarrist.

Trotzdem halten Whitney an ihrem alten Sound fest. Wie schon 2016 geht es für die beiden in das Kellerstudio ihres ursprünglichen Rhythmusgitarristen Ziyad Asrar. Koproduziert wird das Album von Brad Cook (u.a. Bon Iver) und Jonathan Rado (u.a. Father John Misty). Und Zack: Fertig ist eine Platte vom sehnsüchtigen Indie bis hin zu Folk Einflüssen der 60er Jahre. In „Song For Ty“ kommen darüber hinaus die klangvollen Streicherarrangements von den Musikerinnen Lisa Kohl und OHMMEs Macie Stewart zum Vorschein.

Einen Break in der Albumthematik liefert „Rhododendron“. Bei dem Instrumentalsong steht neben smoothen Gitarrensoli das leicht aufgedrehte Trompetenspiel im Vordergrund. Ein Song, der etwas hilflos aus dem der Reihe tanzt, aber dennoch die elektronische und groovige Live-Performance der Band verdeutlicht.

Nach „My Life Alone“, einer Reminiszenz an das Gefühl der Einsamkeit, und dem wunderschönen „Day & Night“, das für die Verwirrung eines auf der Suche befindlichen Menschen steht, folgt „Friend Of Mine“. Der Song fasst zusammen, was „Forever Turned Around“ inhaltlich darstellt: Beziehungen, ganz egal welcher Art, entwickeln sich weiter oder flachen ab. Das Lied baut sich im Refrain nach und nach auf und endet mit der nachdenklichen Erkenntnis: „You say, you’re still a friend of Mine. While you’re triftig away, like a cloud hanging over the pines“. Doch erneut fängt das helle und sommerliche Klangkleid à la The Shins den Hörer auf. Es vermittelt: Eigentlich ist doch alles gut.

Und genau dafür steht „Forever Turned Around“. Es ist nicht schlimm, auf manche Fragen keine Antworten zu finden. Aber sich auf die Suche zu machen, Schritte zu hinterfragen, Menschen zu verlieren oder Freunde für’s Leben zu finden – all das hilft auf der Suche nach sich selbst. In „Forever Turned Around“ greifen Whitney auf altbewehrte, liebevoll arrangierte Melodien zurück. Daher sorgt die Platte musikalisch zwar für wenig neue Überraschungsmomente, dennoch werden sich viele junge Menschen damit identifizieren. Eine Indie-Perle, die eine spannende Divergenz zwischen hoffnungsvoller Leichtigkeit und der ganz normalen Unsicherheit des Alterns bietet. Und die Erkenntnis, dass man das Leben nicht immer planen kann: „There is fire Burning in the trees, maybe life is the way it seems“ (Valleys (My Love)).