Nakhane // © Yannick Philippe

Der südafrikanische Künstler und Schauspieler  Nakhane legte im Rahmen des Queer Festivals Heidelberg einen Abend hin über den man noch lange reden wird. 

Eigentlich pendelt der junge Südafrikaner gerade zwischen den Filmfestspielen von Cannes, den Gay Clubs Londons und den Bühnen der Welt. Umso bewundernswerter also, dass Nakhane im Rahmen des Queer Festivals den Weg nach Heidelberg gefunden hat – Nakhane Touré ist eben kein normaler Newcomer. Als Homosexueller wuchs der Musiker und Schauspieler in einer streng religiösen Gemeinschaft auf und konnte diesem eingrenzenden Kreis erst durch eine Flucht entkommen. Eine Flucht nach vorne, die sich auch in der Musik widerspiegelt und selbst den Support Act sprachlos werden lässt.  Denn eins ist sicher: die Kombination aus seiner verletzlichen Stimme, der schauspielerisch wertvollen aber ehrlichen Perfomance und dem musikalischen Können bildete eines der absoluten Highlights der Jubiläums-Edition des Queer Festival Heidelberg. 

Für die lediglich drei Termine in Deutschland begleitet nämlich niemand geringeres als Tobias Siebert den südafrikanischen Musiker. Mit seinem Projekt And The Golden Choir kombiniert er fast vergessene Instrumente mit organisch wirkenden Beats und gutem Wein. Diesen hob der Brandenburger in der trauten Runde nämlich immer wieder hervor und auch sonst passte ein edler Tropfen sinnbildlich in die Szenerie. Als Zuschauer hatte man das Gefühl, dass Siebert einen zu sich nach Hause ins Wohnzimmer eingeladen hätte und einfach nur ein bisschen Musik machen möchte. Der Ein-Mann-Chor wird alleinig durch einen im Hintergrund laufenden Schallplattenspieler ergänzt – der Rest ist Kunst. Mit starken Vocals, auf den Punkt genau gesetzten Effekten und Instrumenten wie einem Harmonium oder mehreren Glocken bot der Musiker eine Mischung aus okultem Chor und trendigem Szene-Club. 

Mit jedem Song spürte man die Hingabe von And The Golden Choir zu seinem Nebenprojekt. Der Frontmann der Band Klez.e fühlte sich sichtlich wohl im Heidelberger Karlstorbahnhof und kündigte nach einer guten, halben Stunde schon fast ehrwürdig den Main-Act des Abends an. Platz machen wollte er für den “grandiosen” und “wunderschönen Menschen” Nakhane. Dieser wurde begleitet von einer Musikerin an Tablet, Keyboard und Gitarre und einem Drummer. Sofort spürte man die unglaubliche Präsenz, des tatsächlich wunderschön drahtigen Musikers, der SM-Brustriemen unter seinem schwarzen Anzug trug. In diesem Look spielte er Songs aus seinem aktuellen Studio-Album “You Will Not Die”, das durch seine Energie schnell mehr als nur eine queeres Statement geworden ist. Das Meisterwerk aus Neo-Soul, Funk und Chorgesängen ist für Nakhane eine Art Selbstheilung von dem Erlebten. Mit Songs wie “Presbyteria” oder eben “Teen Prayer” lässt er uns an seinem erlebten Leid teilhaben. Selten hat man den Saal des Karlstorbahnhofs stiller und aufmerksamer erlebt als bei der virtuosen Stimmeinlage des Londoner 25-Jährigen. 

Doch der Weg von Nakhane ist auch immer eine Flucht nach vorne. Eine Flucht, die mit Reibung zu tun hat. Eine Flucht, die sich in dem ersehnten Ausleben seiner Sexualität bemerkbar macht. Auch er möchte zwischen den anrüchigen Tanzeinlagen auf Grindr gefunden werden. “I’m Not Getting Laid” flüstert er schon fast betroffen ins Mikrofon und beschwert sich humorvoll darüber, dass das deutsche Publikum zwar gut auf Songs wie “Clairvoyant” tanzen könne, jedoch manchmal so unfassbar prüde sei. Es bleibt zu hoffen, dass ihm diese Prüderie auf dem Weg zum Weltstar nicht in die Quere kommen wird.  Zu schade wäre es Songs wie “Interloper” nur hinter den Türen der Gay Clubs und der Szene-Bars dieser Welt versteckt zu halten. Nakhane hat am gestrigen Abend bewiesen, dass er nicht nur ein extrem sympathischer Dude ist, sondern auch extrem viel zu erzählen hat.