„Viele haben bei dem Begriff „klassischen R’n’B“ vielleicht immer noch so ne Plastik Assoziation“ – Ray Novacane im Interview

Ray Novacane // Credits: Judith Simon

R´n´B mit dem Prädikat Indie und internationales Format. Es gibt nicht viele aufstrebende, deutsche Bands, die das von sich behaupten können. Ray Novacane ist ein Trio aus Köln, das nach einigen Versuchen jetzt in den sechsten Gang geschaltet hat und so richtig loslegt. Mit „Sweet Liar“ oder dem neuen „Mabuhay“ sind erste Schritte gemacht worden.

Hey, alles fit bei euch? Ich mag es eigentlich echt nicht Bands nach der Herkunft ihres Bandnamens zu fragen aber bei euch interessiert es mich schon sehr. Wie sehr steht ihr auf Frank Ocean? Taucht er auch irgendwo in eurer Musik wieder auf?

Also Frank Ocean ist auf jeden Fall ein gemeinsamer Nenner für uns alle Drei. Als er auf der Bildfläche erschien war klar R’nB ist wieder geil! (Für Ray war R’n’B nie out haha) und bis heute ist er auf jeden Fall ein herausragender Künster. Er macht einfach worauf er Bock hat und scheißt ein bisschen auf Normen. Das ist immer gut. So richtig nach ihm klingen tun wir nicht jetzt nicht, aber sein Song „Novacane“ und vor allem der Vibe und das Gefühl von dem, was er erzählt, empfanden wir als passend zu unserem Sound.

In eurem Pressetext steht, dass es euch seit 2013 gibt. Auf Youtube findet man zwar ältere Songs wie „Can´t Stay?“ oder „Not Around“, auf Spotify jedoch eure aktuelle Single. Woran lag es, dass ihr jetzt mit „Sweet Liar“ erst so richtig durchstartet? Könnte man es auch als musikalischen Neuanfang bezeichnen?

Das trifft es eigentlich ganz gut. Nachdem am Anfang noch alles in Eigenregie lief und wir noch ein bisschen unter dem Radar, gehen wir das Ganze jetzt mal „richtig“ an. Also label, richtige Releases, damit unsere Musik normal zum streamen verfügbar ist..das ist auch okay, weil wir uns jetzt viel mehr gefunden haben mit unserer bald erscheinenden EP „Mabuhay“.

Wenn wir noch kurz beim Text bleiben würden, können wir auch gleich eine typische Journalistenfrage stellen. Würdet ihr eure Musik selber als Neo-R´n´B bezeichnen?

Tja mit den Genres ist das immer so ne Sache. Aber warum nicht?! Viele haben bei dem Begriff „klassischen R’n’B“ vielleicht immer noch so ne Plastik Assoziation. Uns geht es eigentlich mehr darum Gefühle zu transportieren und das kommt im Soul und RnB meistens durch Stimme, Text und Instrumentalisierung. Bei uns gibt’s aber z.B. fast nur noch Live- Drums und auch sonst ist sehr viel drauf ausgelegt, warm zu klingen. Hinten raus ist es auch einfach Pop Musik.

Die Single „Sweet Liar“ wurde zuerst auf Soundcloud veröffentlicht. Erst vor einigen Tagen wurde die Plattform durch Vimeo gerettet. Glaubt ihr sie bekommen nochmal die Kurve? Welche Alternativen hättet ihr als Band?

Wir hoffen es. Soundcloud ist ja dafür bekannt, vielen gerade noch komplett unbekannten Künstlern eine Plattform zu geben..Also dieses „über Nacht einfach mal ’n Track hochgeladen und dann voll gehypt worden“ war ja immer Soundcloud. Musik unkompliziert hochladen geht auch woanders, z.b. auf Bandcamp. Das haben wir ja auch gemacht am Anfang.

Um Inspriation zu sammeln und sich einfach mal von Künstler zu Künstler zu hangeln, ist Soundcloud schon sehr geil. Vor allem weil man sich eben auch connecten und Musik zusammen schreiben kann, obwohl sich der andere vielleicht auf der anderen Seite der Welt befindet.

Wie steht ihr also insgesamt als Band zu Streaming? Beeinflusst es euch in eurem Schaffen? Denkt man überhaupt noch an das Medium Album?

Streaming ist ja kein Phänomen der Neuzeit mehr, sondern einfach Standart. Also ist super praktisch und auch hammer, um neue Musik zu checken. Unser aller Hörgewohnheiten hat sich definitv geändert. Zum Guten und zum Schlechten. Die Aufmerksamkeit, die man aufbringt, wenn man zu hause ne Platte auflegt, sich hinsetzt und zwischendurch umdrehen muss, kommt natürlich schnell mal zu kurz in diesem Wust an Möglichkeiten. Aber wir glauben auch, dass wenn dich eine Platte wirklich flasht, du dann eh in den Plattenladen rennst und sie dir kaufst, damit du sie physisch besitzt.

Ein Album wiederum ist für uns schon noch DAS Ziel. Aber es ist auch gut, dass man sich erst einmal ein bisschen ausprobieren und seinen Sound finden kann.

Erst kürzlich wart ihr für den NRW Pop Preis nominiert, richtig? Wie war das für euch? Welche Band würdet ihr nominieren, wenn ihr könntet?

Das war eine Ehre, dass uns Leute, obwohl es noch nicht viel Musik von uns gibt, auf dem Schirm haben. Viele unserer Kollegen aus der Kölner Community waren auch nominiert. Aber ein kleiner Geheimtipp ist eine wunderbare Lady aus Köln „ Helsinki Yeah“. Die würden wir als Newcomer auch nominieren.

Ja in der Tat kommen gerade viele gute Acts aus Köln? Da gibt’s noch unsere Studio Homies Gianni Brezzo oder Keshavara oder auch Woman. Köln ist ein Dorf irgendwie und man kann sich super connecten. Man kommt schnell in Kontakt, hilft sich gerne auch mal aus und fragt sich gegenseitig nach Feedback.

Welche spannenden Acts habt ihr sonst noch so auf dem Radar?

Keine Geheimtipps mehr, aber spannend sind immer Badbadnotgood, Khruangbin, Toro y Moi, Steve Lacy, Nick Hakim, Jai Paul (falls der endlich mal ne offizielle Platte rausbringt #fingerscrossed). Schön ist es auch (Ray freut sich am meisten darüber), dass der Focus wieder etwas mehr auf die Stimme und Storytelling liegt in der Musikindustrie . Ihre Favorites sind gerade H.E.R und Daniel Caesar.

Es kommen momentan extrem viele aufregende, neue Bands aus Köln? Habt ihr eine Erklärung dafür?

Nicht wirklich. Es haben sich wohl die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen. Köln ist halt überschaubar, man kommt schnell zusammen. Ein Großstadt-Dorf, wenn man so will. Vielleicht hat es damit zu tun.

Und zu guter Letzt kommt ihr auch nicht um eine Frage drum herum. Wie stellt ihr euch einen perfekten Freitagabend vor?

Ein perfekter Freitag Abend wäre wohl, sich gemütlich mit unseren Freunden irgendwo draußen zu treffen, was Leckeres zu essen, Kioskbierchen im Freien. Vielleicht dann noch irgendwo ne kleine Runde auf gute Musik zu zappeln.

Die aktuelle Single „Mabuhay“: