Auf ihrem neuen Album „Songs After The Blue“ beweisen Deniz Çiçek und Robert Heitmann alias Kraków Loves Adana, dass weniger manchmal wirklich mehr ist: Simple musikalische Arrangements und der tiefe Timbre von Çiçeks Stimme sorgen beim Zuhören nicht nur für Gänsehaut, sondern sind zudem auch noch wunderbar eingängig.

Bereits in der Romantik verband man die Farbe Blau mit Gefühlen und Leidenschaft. Das bekannte Symbol der blauen Blume wurde von Literaten nicht selten verwendet, um in Texten und Gedichten die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren darzustellen. Auf die Bedeutung der blauen Farbe – die Sehnsucht, häufig verbunden mit Melancholie und Depression – bezieht sich auch das Duo auf ihrem neuen Album. Die acht Tracks auf „Songs After The Blue“ stehen zwar bildsprachlich für sich, handeln aber im Großen und Ganzen von den Sehnsüchten eines aufstrebenden Kreativen – ebenso wie von den damit verbundenen Hürden. Inspiration für dieses Thema fand Deniz Çiçek nicht nur im eigenen Dasein als Künstlerin, sondern auch in Büchern von Rainer Maria Rilke, Julia Cameron und Patti Smith.

Musikalisch entzieht sich „Songs After The Blue“ jeder Komplexität: In diesem Fall ein wahrer Zugewinn. Die tiefe Stimme von Deniz Çiçek erzeugt vor einem dünnen Backing, bestehend aus Gitarre, Keys und Drums, eine faszinierende Wucht von Emotionen und Nähe. Trotz der übersichtlichen Instrumentierung scheint es für Kraków Loves Adana ein Leichtes zu sein, eine bunte Palette an Stimmungen zu erzeugen.

Begleitet von Synthie-Akkorden widmet Çiçek den Opener „Rapture“ dem mittlerweile fast nostalgisch anmutenden Medium der Kassette. Spärliche Lyrics und ein gleichbleibender Rhythmen geben dem Track das Zeug zum Ohrwurm. Çiçeks sonst so schnörkelloser Gesang erreicht, fast wie in Ekstase, zum Ende ungeahnte Höhen und lassen den Song so wie eine Ode an vergangene Zeiten wirken. Der Minimalismus im Sound von Kraków Loves Adana zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Auch „Bloom“ folgt anschließend diesem Schema, ebenso wie „American Boy“. Letzterer genoss nicht umsonst bereits vor Albumveröffentlichung eine größere Aufmerksamkeit: Mit verzerrten Gitarren und eindringlichen Synthie-Klängen mausert sich der Song zu einer kleinen Perle des Indierocks.

Etwas ruhiger wird es auf der zweiten Hälfte des Albums. „But tonight I am an open door/ Keep moving right through me/ While I’m playing this particular chord/ Resonating truly/ For you“, singt Çiçek in „Resonating Truly“, dem – dank der Lyrics – wohl schönsten Track des Albums. Während „The Day The Internet Dies“ von der Empathielosigkeit der Generation der digital natives handelt, befasst sich „Hamburg“ mit der Einsamkeit in der Großstadt – ein Problem, mit dem sich auch schon Leidensgenossen wie Isolation Berlin auseinandersetzten. Trotz des konsequent umgesetzten Klangbilds schaffen Kraków Loves Adana es, mit Hilfe kleiner Nuancen in Stimme, Besetzung und Melodie sowie eingängiger Elektropop-Refrains ein stimmiges Werk zu kreieren, das fern von Langeweile eine warme Atmosphäre erzeugt, in die man gerne immer wieder eintauchen möchte.

Deniz Çiçek möchte, so äußerte sie in einem Interview, mit ihrer Musik einen Beitrag für die Allgemeinheit liefern: Denkanstöße liefern und wenn nötig, ein Gefühl von Unbehagen oder Trost vermitteln. Mit „Songs After The Blue“ ist ihr das allemal gelungen.

Kraków Loves Adana live:

06.04. – Molotow, Hamburg
07.04. – Raststätte, Aachen
13.04. – Hafven, Hannover
14.04. – Cafe Wagner, Jena
17.04. – Ostpol, Dresden
27.05. – Pension Schmidt, Münster
17.08. – Alínæ Lumr, Storkow