Die bis jetzt 50 besten Songs des Jahres

Parcels – Hideout

Auf dem Maifeld 2017 mal schnell die Hälfte der eigentlichen Slowdive Zuschauer zu sich in’s Zelt geholt, letzteres bis auf die Stangen abgerissen und demnächst als Phoenix Support durch Europa unterwegs. Die Aussies mit derzeitigem Wohnsitz in Berlin haben zwar immer noch kein Debütalbum veröffentlicht, zählen aber sowohl für die deutsche als auch die internationale Musikkritik zu den kommenden Bands der nächsten Jahre. Ob die Mates deren Erwartungen erfüllen, interessiert uns eigentlich herzlich wenig, solange live die Hölle weiterhin so fuckin los bleibt.

Girlpool – It Gets More Blue

Wer verliebt ist, unternimmt komische, verwirrte und bisweilen wahnsinnige Dinge. Girlpool zum Beispiel gestehen in ihrem kleinen, wunderbaren Liebeslied „It Gets More Blue“ „I faked global warming just to get close to you“. Wer sich so mutig charmant, schüchtern witzig und gleichzeitig ausgewählt verrückt an die Liebe macht, gewinnt sie höchstwahrscheinlich für einen kleinen Moment für sich. Nur um sich fröhlich verzweifelt den nächsten großen Plan für sie auszudenken.

Holygram – Still There

Postpunk läuft eigentlich ziemlich gut hierzulande. Beispiel gefällig?

 

Wandl – Cola

Lange genug im Schatten der österreichischen Genregrößen á la Crack Ignaz, Yung Hurn oder dem Kölner LGoony gestanden, veröffentlicht St. Pöltens Süßling Numero Uno nach der 2014 erschienenen EP endlich ein komplettes Album. Uns hat’s umgehauen, nicht nur von der schier dahinfließenden Lässigkeit „Colas“. An dieser Stelle findet ihr mehr als a bisserl mehr über den Herrn.

Temples – Strange Or Be Forgotten

Die Hinwendung psychedelicher Gitarrenmusik mit starkem 60er Jahre Einfluss zum glamourvollen Synth-Pop, die ja bei Bands wie Tame Impala ganz großartig funktioniert hat, scheint für die jungen Briten von Temples eigentlich ebenfalls recht fruchtbar von statten gegangen zu sein. Könnte man meinen, hört man sich das hier gezeigte „Strange Or Be Forgotten“ oder den Album Opener „Certainty“ an, die keineswegs mit schillernden Melodien und bunter Explosivität geizen. Schade nur, dass genau diese Elemente auf „Volcano“ wenig ausdifferenziert werden und das Gesamtwerk somit zu leicht fadem Durchschnittspop verkommen lassen.

Mavi Phoenix – Quiet

Hier könnten auch „Aventura“ oder „Love Longtime“ stehen, so ausgeglichen ist die Qualität und vor allem die Originalität auf der Outcome EP der Linzerin Mavi Phoenix. Dieses Jahr schon im Vorprogramm von Bilderbuch zu betrachten, hoffen wir, dass nach dem ganzen Austausch von Insta-Nettigkeiten auch baldmöglichst ein Feature mit Falco Süßgott aus dem 22. Wiener Bezirk herausspringt. Oder einfach weiter Banger machen, fesche Videos drehen, bald auch in Deutschland durch die Decke gehen.

Fazerdaze – Bedroom Talks

Der letzte Song des Debütalbums von Amalia Murray steht hier stellvertretend für ein gesamtes Album, das viel zu sehr unter dem Radar der Öffentlichkeit geflogen ist, als es jedem Musikliebhaber recht sein kann. „Morningside“ erschafft eine durchgängige Stimmung, untermalt diese abwechselnd schwärmerisch leise und in Anflügen von Shoegaze Passagen immer wieder lauter werdend, aber niemals ausbrechend aus dem Gesamtkonstrukt. In Zeiten von überall zugänglichen Streamingportalen ein ruhiges und in sich stimmiges Argument für das Konzept des Albums.

Love Hotel Band – Diamant

Ist es der Sound von Stickle, ist es der weiße Rollkragenpullover in Kombination mit dünnem Schnauzer und Brille, ist es der VHS Look? Oder doch einfach ein weinender Lars Eidinger? Die Love Hotel Band (jetzt übrigens in veränderter Besetzung) bricht Herzen seit 2017 und tritt, je nachdem, ob man Instagram Stories Glauben schenken will, vielleicht in Bälde auch als solche auf. Die Anziehungskraft der Beatles gepaart mit dem Sex Appeal Mick Jaggers hat endlich würdige Nachfolger.

LCD Soundsystem – call the police

Manchmal können Comebacks ja ganz schön daneben gehen. Manchmal können sie allerdings auch ganz wunderbar wirken. Wir waren uns bei James Murphy und Co. ja immer sicher, dass da nochmal was Tolles kommt und siehe da: Man fühlt sich an David Bowie erinnert, ohne jemals zu vergessen, dass fuckin LCD Soundsystem wieder da sind.

Vince Staples – Big Fish

Mit der Signalpistole in der Hand und einer in den Credits unerwähnten Juicy J Hook im Rücken macht es sich einer der schlagfertigsten (Must See: Pitchforks Under/Over) Rapper dieser Tage fast schon zu leicht, seine Kombination aus lyrischer Kompetenz und Humor vom zurecht gefeierten Debütalbum „Summertime ’06“ auf die Fortsetzung zu übertragen. Der Christian Rich Beat ist zwar mindestens die halbe Miete, aber was Staples eben aus dem minimalistischen Geprotze herauszuholen vermag, bleibt auch 2017 ganz schön gut.