Inner Tongue // © Tobias Pichler

Mit Austro-Pop hat Inner Tongue musikalisch nicht viel am Hut, dennoch löste seine Musik und die zugehörige visuelle Ästhetik einen Hype aus, der ihn zum nächsten großen Ding aus Österreich machen könnte. Sein Debütalbum „Favours“ verwebt intelligent Soft-Rock mit Trip-Hop oder Neo-Soul und sorgt für unerschöpfliche Höreindrücke. Wir sprachen mit dem Songwriter über seinen Arbeitsprozess, musikalische Wurzeln und Anfänge und wie es sich anfühlt, mit Lorbeeren geschmückt zu werden.

Bereits 2015 sprachen wir nach seinem Auftritt auf dem Maifeld Derby mit Inner Tongue – damals noch über seine EP „TZ, KA“. Drei Jahre später legt der Wiener schließlich sein Debütalbum „Favours“ nach und beeindruckt sowohl seine Hörerschaft auch als die Medienlandschaft mit noch vielfältigeren Soundwelten.

Mit Austro-Pop hat Inner Tongue musikalisch nicht viel am Hut, dennoch löste seine Musik und die zugehörige visuelle Ästhetik einen Hype aus, der ihn zum nächsten großen Ding aus Österreich machen könnte. Sein Debütalbum „Favours“ verwebt intelligent Soft-Rock mit Trip-Hop oder Neo-Soul und sorgt für unerschöpfliche Höreindrücke. Wir sprachen mit dem Songwriter über seinen Arbeitsprozess, musikalische Wurzeln und Anfänge und wie es sich anfühlt, mit Lorbeeren geschmückt zu werden.

Du veröffentlichst schon seit ein paar Jahren Deine Musik – jetzt ist das Debütalbum „Favours“ endlich draußen. Wie geht’s Dir damit?

Mir geht’s gut – ich bin happy, dass das Album endlich draußen ist. Ich bin zwar allergisch, wie alle anderen Allergiker momentan, aber ansonsten tiptop! Ich bin auch glücklich, dass die visuelle Welt rund um das „Next-Life“-Video so gelungen ist, und wir dazu auch so viele Responses bekommen haben.

Ihr habt ja auch Responses von Magazinen bekommen, zum Beispiel hat Dich die Intro prompt als spannendste Platte des Jahres betitelt. Ist so ein Lob für Dich jetzt auch mit etwas Druck oder Angst vor zu hohen Erwartungen verbunden?

Nein, eigentlich nicht. Wenn man sein Baby quasi frei lässt, gibt es ja einige Möglichkeiten wie das angenommen kann – man weiß einfach nicht, wie es die Leute auffassen, ob die Leute verstehen, was man versucht hat. Oder die ganze Philosophie, die hinter dem Musik machen und hinter einem Album steckt und ob der Zuhörer mit einem Mal Durchhören den Kontext versteht. Und ich bin einfach super happy, dass sich die Autoren der Reviews, die ich so gelesen habe, auch wirklich verstanden haben, worum es mir geht. Das empfinde ich als großes Kompliment.

Meinst Du damit Deine inhaltlichen oder eher musikalischen Intentionen?

Ich meine weniger die textliche Ebene, sondern vor allem die musikalische. Quasi, dass ich meine eigene Kerbe eingeschlagen habe und jetzt auch angenommen wird, was man damit versucht. Dass das kein klassischer Pop ist, der jetzt in allen Radios daher kommt. Es liegt ja immer im Auge des Betrachters, ob er sich dem hingibt, oder ob man sagt: „Ich kann damit nichts anfangen, das sind keine normalen Arrangements, ich höre keinen normalen Refrain heraus“ und so weiter. Ich wusste vorher einfach nicht, wie das Album tatsächlich aufgefasst wird, und habe das Gefühl, dass die Leute, die darüber geschrieben haben, sich tatsächlich damit befasst haben.

Du verwebst verschiedene Einflüsse in deinem Album – ich höre da einen Vaporwave-Grundton raus, dann liegt der Fokus wieder auf den Gitarren und plötzlich ist ein Blasinstrument dabei: woher schöpfst Du Deine Inspiration?

Jein. Ich habe mich zwar mit Vaporwave befasst, das ist aber schon eine Zeit her. Das war kein großes Ding in meinem Leben, aber ästhetisch fand ich Vaporwave schon ganz interessant.

Ich habe auf deinen Social-Media-Accounts gesehen, dass Du dort eine durchgehende und Ästhetik an den Tag legst – ist es Dir wichtig, dass das Ganze zu einem Gesamtkunstwerk zusammen fließt?

Im Ideallfall ja, ich glaube es ist uns auch ganz gut gelungen. Dadurch, dass wir auch eine digitale Welt erschaffen haben, wie mit dem letzten Video, darf diese Ästhetik auch über die Musik hinaus leben, also beispielsweise in Instagram-Posts. Ich finde es auf jeden Fall interessant, damit zu arbeiten. Es gibt ja auch eine Ebene hinter der Musik und somit gibt es auch eine Ebene vor der Musik. Dahinter liegt zum Beispiel das Persönliche und aktuell ist es die visuelle Ebene, die man vor die Musik schiebt, um den Leuten einen ersten Eindruck zu geben. Ich finde es spannend, dass man mit beidem Spielen kann und mir ist das auch sehr wichtig.

Ich fand es so interessant, weil Du ja zu Anfang ein kleines Mysterium aus der Person hinter Inner Tongue gemacht hast.

Am Anfang habe ich damit gespielt, dass es Nichts gibt. Man arbeitet dann mit dem Eindruck der Leute, damit sie sich direkt mit der Musik konfrontieren: es war ja nicht mal klar, ob es überhaupt jemanden interessiert. Und jetzt ist es genau umgekehrt – der Eindruck ist bereits da. Um ein neues Bild zu schaffen mit dem neuen Album, kann man mit dem visuellen Arbeiten und das auch bewusst Einsetzen, solange wir da noch eine gewisse Philosophie verfolgen.

Du sprichst gerade von wir, bezeichnest Dich selbst auch als Soloprojekt, aber Live und im Studio hast Du eine Band dabei.

Es ist schon ein Soloprojekt. Die Band ist mir extrem wichtig, aber der überwiegende Teil des Outputs ist dann auch mein Output. Wenn ich von „Wir“ spreche, dann weil ich mit jemanden zusammen gearbeitet habe, der mit mir zusammen diese visuelle Welt erschaffen hat – Tobias Pichler, der eben auch beim „Next Life“-Video Regie geführt hat. Ich arbeite immer wieder sehr gerne mit Anderen zusammen für solche Projekte. Durch den gesamten Prozess ist zum Beispiel auch Patrick Sturm mit mir gegangen, welcher sich auch viele Gedanken gemacht hat.

Hat das schon zu Konflikten geführt, wenn Dinge nicht so umgesetzt wurden, wie Du sie Dir noch während des Arrangierens vorgestellt hattest? Anders gefragt: wie perfektionistisch bist Du?

Ich glaube sehr perfektionistisch, das sehe ich auch gar nicht als eine positive Eigenschaft. Ich hoffe mal, dass ich es bis zu einem gewissen Grad beim nächsten Prozess ausblenden kann. Es ist zum Beispiel so, wenn ich die Demos komplett selbst instrumentiere. Ich hatte einen Co-Produzenten mit an Board, mit dem ich ohne Konflikte eher zielgerecht drauf los gearbeitet habe. Im Studio nehme ich mir dann sehr viel Zeit, es wird quasi zu meinem Zuhause. Da haben wir dann auch gewisse Songs schon drei-, viermal aufgenommen. Aber nicht, weil es recordingtechnisch nicht gepasst hätte, sondern eher gefühlsmäßig. Manche Parts, wirkten anders, als ich sie vermitteln wollte. Die Band ist mit mir immer wieder durch schwere Prozesse gegangen, in dem man manches noch mal neu-interpretieren musste.

Welche Instrumente spielst Du?

Im Studio Alles und Nichts. Je nachdem wer bei der Recordingsession dabei ist, nehme ich einfach die Instrumente in die Hand, Live spiel ich Gitarre und Klavier. Beim Album ist es etwas schwer zu sagen, weil ich überall und nirgends instrumentiert habe. Es wäre auch sehr schwer, das rückwirkend heraus zu finden, wer wo instrumentiert hat.

Wie hast Du ursprünglich angefangen, Musik zu machen? War’s bei Dir dann auch die Gitarre zu der man gegriffen hat?

Auf jeden Fall, ich hab mit der Gitarre angefangen und relativ zeitnah dann auch mit dem Klavier. Mit 3,4 Jahren habe ich öfter die Ukulele genommen und in Fake-Englisch gesungen und ich weiß noch, wie ich meine Mum gefragt habe, ob denn das Wort überhaupt Englisch wäre und sie hat immer so „Jaja“ gesagt. Das ist so eine Kindheitserinnerung mit Musik.

Warst du später auch Teil einer Band?

Ja, ich hab mein Leben lang auch Musik gemacht dann, auch mit Bands. Nichts, was jetzt erwähnenswert wäre, aber es zog sich so durch mein ganzes Leben durch.

Ich habe auch ein paar Vergleiche von Dir mit dem letzten Album von Bilderbuch gelesen. Meinst Du, das liegt sehr an der Verortung der Musik (Wien) oder siehst Du die Gemeinsamkeiten auch?

Ich denke, Bilderbuch spielen auch mit vielen modernen Einflüssen in ihrer Musik und bauen das sehr intelligent ein. Wenn man da einen Zusammenhang mit mir sieht, empfinde ich das auf jeden Fall als Kompliment. Ich würde nicht sagen, dass ich von ihnen beeinflusst wäre, aber mir gefällt die Musik und ihre Herangehensweise an die Musik. Man bekommt ja mit, wie Leute Musik machen und ich denke bei Ihnen ist das ein Mix aus Chaos und der wohlüberlegten Bündelung dieses Chaos’.

Durch die kürzliche Veröffentlichung mit deutschen HipHop-Acts ist Falco ja wieder in aller Munde. Hast Du auch einen persönlichen Bezug zu ihm / würdest Du sagen, dass er Dich beeinflusst hat?

Leider ist die Antwort: nein. Ich habe mich mit Falco erst sehr spät in meinem Leben beschäftigt. Und ich würde nicht sagen, dass er die Musik, die ich mache beeinflusst hat, obwohl ich natürlich größten Respekt vor seinem Lebenswerk habe. Ich muss auch dazu sagen, dass ich noch nie nach Falco gefragt wurde. Aber das liegt vielleicht daran, dass Falco deutschsprachig singt und diese Referenz wahrscheinlich gar nicht so oft in Betracht gezogen wird.