„Irgendwie ist jeder Song ein bisschen ein Liebeslied auf seine Art“ – Sylvan Esso im Interview

Sylvan Esso machen keinen herkömmlichen Electro-Pop. Sie sind oftmals unbequem, gar provozierend und bieten auf ihren Live-Shows aber immer eine Menge Fun. Wir haben mit dem Duo über ihr neues Album „What Now“, das Touren und ihr Selbstbewusstsein gesprochen.

Kürzlich kam euer zweites Album „What Now“ raus. Seid ihr erleichtert und zufrieden, dass es raus ist und ihr erstes Feedback habt?

Amelia Meath: Ja, es fühlt sich gut an!

Nick Sanborn: Ganz abgesehen vom Feedback bin ich einfach froh, dass es raus ist.

A: Auf jeden Fall ist es schön zu wissen, dass die Leute sich das Album jetzt anhören können. Davor haben nur darauf gewartet und immer nur davon erzählt ohne es den Leuten zeigen zu können. Es fühlt sich also gut an, [dass es raus ist.]

Woher habt ihr die Inspiration für euer Album und die Songs darauf genommen?

A: Also es geht vor allem um zwei Hauptthemen. Das eine ist Technology und Menschheit und die Beziehung zwischen den beiden. Und außerdem wird mir immer klarer, je mehr ich das Album höre und je mehr ich mit Leuten darüber rede, dass es irgendwie auch um Liebe geht. Irgendwie ist jeder Song ein bisschen ein Liebeslied auf seine Art.

N: Deswegen fühlt es sich auch anders an, also unser erstes Album.

A: Ja, ich denke auch, dass wird seit der letzten Platte einfach viel besser im Songwriting geworden sind.

N: Wir sind sicherer, ja.

A: Wir sind sicherer aber die Songs sind auch direkter und beschäftigen sich mit spezifischeren Dingen.

N: Wir sind konzentrierter.

Als ihr Songwriting angesprochen habt, habe ich mich gefragt, wie wir uns euren Songwriting-Prozess vorstellen können.

A: Der ist jedes Mal anders. Manchmal schreibe ich eine kleine Zeile und eine Melodie und gebe es dann Nick. Manchmal hat er schon einen Beat oder Loop und ich schreibe dann dazu. Manchmal gibt er mit einen fertigen Beat oder ich gebe ihm einen ganzen Song, den ich grade geschrieben habe. Es verändert sich dauernd. Aber bei diesem Album war der große Unterschied, dass wir viel besser darin wurden, vor dem anderen zu arbeiten. Und miteinander zu arbeiten. Also wir haben das Album viel direkter zusammen gemacht.

Ja, ich glaube es war viel kollaborativer. Nicht, dass das letzte das nicht war – das letzte war auch kollarobativ. Aber ich habe das Gefühl dieses Mal waren wir für die Produktion öfter zusammen als getrennt.

Wenn ein Song fertig ist, was muss der dann haben um es auf das Album zu schaffen?

N: Naja, wir müssen es mögen.

A: Ja, wir müssen es beide mögen und müssen es immer wieder hören können.

N: Aber normalerweise wird der Song einfach nie fertig, wenn einer von uns ihn nicht mag. Also stehen wir sowieso meistens auf die Songs die fertig sind.

A: Das stimmt!

N: Es gibt einige Songs, von denen wir Anfangs sicher waren, sie würden auf die Platte kommen und sogar im Zentrum stehen, die es jetzt nicht drauf geschafft haben. Sie haben sich dann einfach komplett verloren und wir mochten nie die neuen Ideen dazu. Nicht nur das, ich denke manchmal wenn man denkt, etwas das man macht wird sich in eine bestimmte Richtung entwickeln, tut es das einfach nicht. Oder das sich entwickelt ist nicht was du erwartet hast. Oder es entwickelt sich einfach gar nicht. Das ursprüngliche „Versprechen“ wird einfach nie erfüllt und du weißt nicht, was es ist. Das Zeug, dass es auf die Platte schafft, das sind die Sachen, bei denen wir das Gefühl haben ihren natürlichen Schlusspunkt gefunden zu haben. Wenn wir gefunden haben, was sie sein wollen und sich die Art wie der Song ist gut anfühlt. Macht das Sinn? Ich weiß nicht. Alle anderen sind langsam weggefallen und dann dachten wir: Gut, diese zehn – die sind es.

Und was sind eure liebsten Tracks auf dem Album?

A: Das ändert sich dauernd. Aber eigentlich ist mein Lieblingstrack der letzte den wir geschrieben haben und das ist „Song“. „Song“ ist einer meiner Favoriten. Aber mein Favorit zu spielen ist „Kich Jump Twist“. Das ist witzig, weil wir den schon seit einem Jahr spielen. Oder sogar zwei…

N: Aber heute ist er besser.

A: Ja, wir mussten es für das Album sehr verändern.

N: Ich glaube mein Lieblingssong ist „Sound“. Der erste Track auf dem Album ist mein Favorit. Ich glaube, dass das ein Song ist, den keine andere Band hätte schreiben können. Er fühlt sich für mich einfach sehr nach uns beiden an. Es fühlt sich nach einer neuen Art des Ausdrucks an, die unsere Band haben kann.

A: Wir haben einen neuen aufregenden Geschmack gefunden.

N: Es drückt viele Dinge aus, die wir schon lange sagen wollten.

Euer erstes Album war sehr erfolgreich. Euer Song „Coffe“ wurde beispielsweise 47 Millionen Mal auf Spotify gespielt und ihr ward bei der Jimmy Fallon Tonight Show. Hatte das Einfluss auf „What Now“?

A: Ja, das hat es auf jeden Fall. Aber trotzdem wollten wir das neue Album auf keinen Fall auf Angst aufbauen, weil wir versuchen dem was wir davor gemacht haben gerecht zu werden. Also ehrlich gesagt, ist das Schwerste daran ein Album zu machen, ihm eine Richtung zu geben und keine Angst zu haben. Also, ja es hatte Einfluss – ich meine unsere Leben haben sich komplett verändert weil das erste Album so erfolgreich war. Aber gleichzeitig wollten wir nicht so sagen: Okay, wir müssen wieder Erfolg haben. Weil dann versteinert man und wird verrückt.

N: Ja, ich denke in dem Moment in dem wir kapiert haben, dass wir uns in der Angst verlieren nicht das gleiche machen zu können wie zuvor, haben wir erkannt, dass das unser Schreiben überschattet. Das hat uns dann auch zu dem Moment geführt in dem wir erkannt haben, dass die Erfahrung das letzte Album zu machen und es zu veröffentlichen und auf Tour zu gehen, uns und unser Leben einfach verändert hat und wir nicht mehr zurück können. Wir sind jetzt einfach komplett andere Menschen. Das ist also irgendwie eine zweischneidige Sache.

Habt ihr irgendwelche Erwartungen an das Album oder wollt ihr etwas bestimmte damit erreichen?

A: Ehrlich gesagt haben wir so ziemlich alles schon erreicht, was ich erreichen wollte. Also eine Karriere zu haben, eine tragfähige Karriere, bei der ich das Gefühl habe, die Leute sind auch beim dritten Album noch da. Und ich denke das zweite Album ist gut genug sodass sie noch da sind. Ich kann nicht zu viele Erwartungen haben, einfach weil das zu Enttäuschung führt. Zum Beispiel werden nicht alle Leute wissen worum es in den Songs wirklich geht. Ich meine, normalerweise werden die Leute nicht so hören, wie ich will dass sie hören.

N: Naja, manche werden das schon.

A: In den seltenen Fällen in denen das passiert, ist es echt großartig. Aber meistens entscheiden die Leute für sich, was die Songs bedeuten und das ist normalerweise etwas aus ihrem eigenen Leben. Das ist toll und dafür sind die Songs ja auch da, aber ich kann keine Erwartungen haben. Ich würde gerne 100.000 Platten verkaufen. Das würde ich gerne.

N: Ich wollte nur eine bessere Platte als die letzte machen. Ich habe das Gefühl, das haben wir. Das ist das einzige was ich erreichen wollte. Außerdem meine ich, dass ich mir jetzt viel bewusster darüber bin, was meine Stärken und Schwächen sind und wie ich diese nutzen kann, wenn ich etwas schaffe. Ich fühle mich viel sicherer in der Produktion als vorher. Also ich denke was ich wirklich wollte ist eine Platte auf die ich echt stolz bin. Und jetzt darf man die ganzen Shows machen, der spaßige Teil. Das ist der einfache Spaß-Teil.

Und zuletzt: Was sind eure Pläne für 2017?

A: Wir sind bis Dezember gebucht.

N: Ja, wir sind ewig auf Tour.

A: Und wir buchen grade sogar schon Termine für 2018. Wir werden also wieder herkommen, wir haben ein paar Shows in Deutschland. Und für den Rest der Zeit touren wir in den USA und vielleicht können wir auch nach Australien. Oder Japan.

N: Ich glaube wir sind im Oktober wieder hier. Und wir kommen wieder und machen beim Melt! Festival mit. Und dann sind wir sogar noch ein paar Mal zurück in Deutschland. Alles war wir machen zwischen jetzt und wenn du uns das nächste Mal siehst ist Konzerte spielen. Und das ist auch alles war wir machen wollen. Das machen wir am liebsten.

A (singt): Wir gehen für immer auf Tour…

Englische Version
You’ve recently released your 2nd album „What Now“. Do you feel relieved since it’s out and after the first feedback?

A: Yeah, it feels good.

N: Feedback or no, I’m just so happy to have it be out.

A: Regardless, it’s nice to know that people can listen to it now. We’ve just been waiting and only talking about what it is and not being able to show people. So it feels good.

Where did you guys draw the inspiration for the album and the songs on it from?

A: So it’s mostly about two main themes. One of it is about technology and humanity and how those two relationships are coming together like this. And also, the more I listen to it and the more I talk about it with people – the more I realise it’s kind of about love. Like every song is kind of a love song in different ways.

N: Which kinda feels different from our first record.

A: Yeah, I also think we just got a lot better about writing songs since the first record.

N: We feel more confident, yeah.

A: We feel more confident but also the songs are much more direct and more about specific things.

N: We’re more focused.

So when you mentioned songwriting, I wondered how we have to imagine the songwriting process of yours?

A: It’s different all of the time. Sometimes I write a little line and a melody and then I give it to Nick. Sometimes he has a beat or a loop and I take the loop and then write to that. Sometimes he gives me a full beat or I give him a full song that I just wrote. It changes all the time, but with this record the main difference is, that we were much better at working in front of each other. And with each other. Like we produced the album together in a more direct way.

N: Yeah, I think it’s just a lot more collaborative. I’m not saying that the last one wasn’t –  I think the last one was great collaborative. But I feel like we were together for more of the creation of this than we were apart.

When you finished a song, what must it have so that you choose it to be on the record?

N: Well, we have to like it.

A: Yeah, we both have to like it a lot and have to be able to listen to it over and over again.

N: But usually, if one of us doesn’t like it, it just never gets finished. So the ones we end up finishing, we usually are into.

A: That’s true.

N: There are several songs on this record that didn’t make it on, that when we started them we were totally convinced that they were gonna be on the record and center pieces of the record. And then they just completely fizzled out and we never liked any other idea to happen. It’s also not just that, I think sometimes something you think is going to develope in a certain way, just doesn’t. Or the thing it emerges as, isn’t what you thought it was. Or it just never emerges. It’s an initial promise  that never gets fulfilled and you haven’t found what it is yet. The stuff that makes it on the record, it’s pretty much just the things that we feel like we found their natural endpoint. Like, we found what they wanted to be, and feel good about the way that they exists . Does this make sense? I don’t know. All the other ones fell away slowly and we were like: Well, these ten – this is what it is.

And what are your favorite tracks of the new record?

A: It changes all the time. Usually my favorite one is the last one that we wrote and that’s „Song“.  „Song“ is one of my favorites. But my favorite one to play is „Kick Jump Twist“. It’s just funny since we were playing it for a year. Or still two years..

N: But it’s better now.

A: Yeah, we had to change it a lot for the record.

N: I think my favorite is „Sound“. The first song on the record is my favorite. I think that’s a song that no other band could have written. I think it just really feels like the two of us to me. It feels like a new kind of expression that our band can have.

A: It’s a new exciting flavor what we found.

N: It said a lot of things that we have been trying to say for a long time.

Your 1st album was very successful (e.g. Song „Coffee“ was played over 47 Mio. times on Spotify, and you were part of the Jimmy Fallon Tonight Show). Did this had an effect on „What Now“?

A: Yes, it definitely did. But also, we really didn’t want to go into writing the record based on fear, trying to live up to what we had done before. So honestly, the main challenge of writing a record is giving it a go and not being scared. So, yeah it did have an influence – Like our lives totally changed because the record was successful. But at the same time we didn’t just want to go like: Ok, you have to be successful again. Cause then you’d freeze and get freaked out.

N: Yeah I think the minute we realised, that we were getting wrapped up in the worry about not doing the same thing we did before, we realised that that was kind of overtaking writing and that (revelation) kinda also led us to this moment where we figured out, that the experience of making that last record and putting it out and touring on it, just changed us and our lives in a way that we couldn’t reverse. So trying to write the same kinds of things we wrote before, was impossible. Since we were just completely different people. So that is kind of a twofold thing.

Do you have any expectations on the new record or something you want to achieve with it?

A: Honestly, we’ve pretty much already achieved what I wanted. Which is to have a career, like a viable career where I feel like people will be here for the 3rd album and I think that this 2nd album is good enough so that people will be around. I can’t have too many expectations just cause it leads to be disappointed. Like when the people don’t know exactly what the songs are about. It’s usually, people aren’t going to listen like I want them to listen.

N: Well some people are.

A: On the rare occasion it happens, it’s very amazing. But most of the time people decide what the songs are about and they’re usually about something in their lives, which is awesome and that’s what they’re for, but I couldn’t be more motivated! I’d like to sell a 100,000 records. That’s what I’d like to do.

N: I just wanted to make a better record than our last one. I feel like we did. That’s the only thing I wanted to do. And also, I feel much more aware of what my strengths and weaknesses are and how do I use what I know to make something. I just feel a lot more concise in production than I did before. So I think what I wanted to have happen is a record that I was really proud of. And now you got to play all the shows, the fun part. That’s the easy fun stuff.

And finally, what are your plans for 2017?

A: We’re booked until december.

N: Yeah we’ll tour for ever.

A: And we’re even booking dates for 2018. So we’re going to come back here, we have a couple of German shows. And then for the rest of the time we’re gonna be touring in the US and maybe we’ll get to go to Australia. Or Japan.

N: We’re back here again in October, I think. And we’re back here again doing Melt! Festival. It’s like even in Germany we are back to more times after this. It’s all from now until the next time you see us, we will be playing shows the entire time. And that’s all we want to do. It’s our favorite thing to do.

A(singend): We’re going on tour, for ever.