Sînziana Velicescu findet die stoische Ruhe in der städtischen Architektur von Los Angeles

Die junge Künstlerin Sînziana Velicescu versucht mithilfe der Gegenüberstellung von Schönheit und urbanem Leben die Flucht innerhalb einer Stadt wie LA zu finden.

Sînziana Velicescu ist eine junge Fotografin und Creative Producerin, die in Los Angeles lebt und arbeitet.  Entgegen aller Erwartungen hat sie Literatur und Film an der University of Southern California studiert. In ihrer Fotografie setzt sie vor allem ihren Heimatort LA in den Vordergrund. Hier zeigt sie aber nicht die üblichen Klischees, sondern versucht sich in den Weiten der Stadt der Engel zu flüchten. Hierbei rückt die Architektur als Protagonist in den Vordergund. Ihre Bilder zeigen in Grafikdesign-ähnlichen Motiven die stillen Momente einer Weltmetropole. Durch das Spiel zwischen Licht und Schatten entstehen in den sehr expressionistischen Darstellungen der Gebäude eine weitere Ebene. Ebenen die als Hommage an ihre Heimat gedacht sind, ohne die Stadt dabei in das übliche Licht zu rücken. Momentan stellt Sînziana Velicescu ihre Fotografien in der berühmten Think Tang Gallery und im Museum für zeitgenössische Kunst in Atlanta aus.

Mehr zu der Künstlerin gibt es hier: Website / Instagram.

Deine meisten Bilder wurden in LA geschossen, richtig? Gibt es einen spezifischen Grund dafür und kannst du uns verraten wie du immer wieder den perfekten Spot findest?

Ich bin in Los Angeles geboren und auch hier aufgewachsen, außerdem ist es die Stadt in der ich auch momentan lebe. Das hilft natürlich dabei immer die meisten Orte bereits zu kennen, trotzdem entdecke ich immer wieder neue Spots. LA ist halt riesig. Oft öffne ich einfach eine Karte und suche mir einen Ort heraus an dem ich noch nie zuvor gewesen bin, gehe dann dorthin und lasse mich von der Gegend und der Umgebung treiben.

Deine Arbeiten sind ziemlich ambivalent. Die harten Linien und Schatten, die von den Gebäuden geworden werden, zeigen eine kalte, industrielle Seite und stehen im Gegensatz zu der Wärme und der berauschenden Natur LAs. Ist dies ein Punkt, der dir für deine Arbeit besonders wichtig ist?

Die Gegenüberstellung, die du ansprichst, spiegelt meine schwankende Beziehung zu Los Angeles wider. Es ist einer dieser Orte an dem man schnell Einsamkeit erfährt, obwohl man ständig von Menschen umgeben ist. Es ist sowohl diese wunderschöne Stadt, in der die Sonne immer scheint und doch auch oft zu überhaupt mit großen Werbebannern und menschlicher Überbebauung. Ich versuche diese Hürden zu überwinden in dem ich mir am Wochenende ruhige Orte heraussuche. Ich nehme mir die Zeit mich in den verlassensten Ecken LAs zu verlieren.

Wie würdest du LA denn in knappen Wörtern beschreiben, wenn du keine Möglichkeit hättest deiner Bilder dafür zu nutzen?

Mysteriös, ausdehnend und endlos!

Deine letzte Ausstellung trug den Namen „On The Periphery“. Magst du uns kurz erläutern worum es ging? Was hat dich spezifisch für diese Ausstellung inspiriert?

Bei „On The Periphery“ geht es besonders darum den ästhetischen und utilitaristischen Effekt der Architektur in und um Los Angeles zu entdecken. 

„On The Periphery“ explores the aesthetic and utilitarian effect of architecture in and around the greater Los Angeles area. Minimalistic in nature and inspired by abstract expressionism and graphic design, the images represent a departure from the day to day realities of Los Angeles’s cluttered landscape. The moments captured are fragments of a cityscape’s lifetime that are most often overlooked by an entire population concerned solely with reaching a destination. The result is an homage to ‘The City,’ combined with a hidden desire to escape to another place or perhaps another time. 

Das Spiel mit Licht und Schatten gefällt mir sehr in deinen Bildern und obwohl der Großteil deiner Arbeit aus Fotografien besteht, muten sie sehr oft grafisch an. Ist Grafikdesign etwas, das dich inspiriert?

Ja, es geht mir oft so, dass ich mir sogar mehr Grafikdesign anschaue als richtige Fotografie.

Deine Arbeiten erinnern mich manchmal ein wenig an Künstler wie David Hockney oder Edward Hopper. Gibt es noch weitere Sachen, die dich geprägt haben als Fotografin?

Ich bin schon immer ein großer Fan vom abstrakten Expressionismus der 1960er gewesen. Der Surrealismus gefällt mir außerdem sehr, dazu kommt noch eine Zuneigung für tschechische Filmplakate und Grafikdesign aus den 70ern. Was andere Fotografen angeht, mag ich Lewis Baltz, Joel Sternfeld, William Eggleston und dieCocia am meisten.

Welche Rolle spielen Plattformen wie Instagram, Pinterest oder Facebook für aufstrebende Künstler? Siehst du es mehr als eine Art Online Galerie oder gibt es doch überwiegend negative Aspekte? Ist es für eine bildende Künstlerin schwierig in dem Sumpf aus Fitness Models, Katzen und Foodporn herauszustechen?

Ich schaffe es ziemlich gut die Mainstream oder die personelle Ebene von Instagram auszublenden, auch wenn ich zugeben muss, dass ich ein großer Fan von Katzen bin. Für mich ist Instagram hauptsächlich eine Plattform um meine Arbeit zu promoten und es dient außerdem als eine Art kontinuierliches Archiv. Ich habe das große Glück so viele andere Fotografen und Künstler kennengelernt zu haben, auf die ich ohne die genannten Plattformen wohl nie gestoßen wäre.

Englische Version
Most of your photos are about LA, right? Where does that come from and could you tell us how do you find the perfect spot? 

I was born and raised in Los Angeles and it is the city where I currently live. I’m familiar with various areas of the city but always discovering new ones as it’s such a big place. Often times, I’ll open up a map and pick a spot I’ve never been to and wander around in that area.

Your works are quite ambivalent. You often show the hard lines and shadows coming from buildings. They show a quite cold industrial style and face the warmth and the beautiful nature of LA. Was that something you was thinking about taking this shots?

The juxtaposition you’re referring to reflects my wavering relationship with Los Angeles. It is the kind of place you experience loneliness while being surrounded by people. It is simultaneously a beautiful city – always sunny, but often too cluttered with ads and overdevelopment. I cope with all of that by finding quiet moments on the weekends when I have time to get lost in some unchartered corner.

How would you describe LA in words, not in pictures? 

Mysterious, expansive, & endless!

Your latest exhibition is called On The Periphery. What is it about particular? What inspired the series?

‚On The Periphery‘ explores the aesthetic and utilitarian effect of architecture in and around the greater Los Angeles area. Minimalistic in nature and inspired by abstract expressionism and graphic design, the images represent a departure from the day to day realities of Los Angeles’s cluttered landscape. The moments captured are fragments of a cityscape’s lifetime that are most often overlooked by an entire population concerned solely with reaching a destination. The result is an homage to ‘The City,’ combined with a hidden desire to escape to another place or perhaps another time. 

I really like, that you play with shadows a lot. Despite the fact, that most of your works are photographs, they look kind of graphic. Is graphic design an inspiration for you?

Yes I often look at more graphic design and paintings than actual photography.

Your work reminds me of David Hockney or Edward Hopper. What other influences do you have?

I’ve always been a fan of the abstract expressionists of the 1960s, I love surrealism, Czech film posters, and graphic design of the 70s. Of the photographers, I love Lewis Baltz, Joel Sternfeld, William Eggleston, diCorcia.

How important are platforms like instagram, pinterest or facebook for a young, upcoming artist? Do you see it more as an online gallery or are there also any negative points? Is it a challenge to stand out in a world of fitness models, cats and foodporn? 

I don’t look at the mainstream / personal side of Instagram much but I will admit I’m a fan of cats. I use Instagram mainly to promote my work and it serves as an ongoing archive. I have been lucky to meet many other photographers and artists who’s work I love that I would have otherwise never known about had it not been for the platform. 

We wish you all the best for further projects and exhibitions.

THANKS!

Die Bildrechte liegen bei Sînziana Velicescu.