Cinemagraph // © Max Alber, Fotos im Text: Max Alber

Anfang November erschien die Debüt-EP von Cinemagraph. Grund genug, uns mit der Band in ihrer Heimatstadt Mannheim zu treffen und dabei über ihre Liebe zu Brit-Rock, das Zusammenwachsen als Band und über die Umwege zu sprechen, die zum Release der ersten EP geführt haben.

In Mannheim und Umgebung kommt man seit einigen Monaten an Cinemagraph nicht vorbei. Die Band, die so herrlich schönen schnörkellosen Brit-Rock spielt, ist seit ihrem Sieg beim Bandsupport im vergangenen Jahr auf sämtlichen Bühnen der Stadt zu sehen. Mit ihrem Soundmix aus Indie-Rock, Alternative und Garage holen die vier Musiker die Sonne Brightons nach Mannheim und klingen dabei in Ansätzen nach namhaften UK-Bands. Cinemagraph, das sind Sänger und Gitarrist Advan Alomerovic, Leon Blank am Schlagzeug sowie Max Kis-Schuller und Paul Schmitt an Gitarre und Bass. Kennen gelernt hat sich der Großteil der Band, wie es oftmals so ist, zu Schulzeiten. Man hatte nach dem Abi einfach Bock und Zeit gemeinsam Musik zu machen. Nach dem Ausstieg des ursprünglichen Bassisten Felix Lumpp, stieß vor wenigen Monaten Bassist Paul dazu.  Als wir uns im Café Rost mit dem Quartett treffen bestellt die Mehrheit erst einmal einen Ingwertee. Zur Erkältungszeit muss Tee dem guten alten Bier also weichen. Einzig Schlagzeuger Leon stoßt mit uns mit Bier an.

Erzählt doch mal so ein bisschen, wie kamt ihr im Einzelnen mit der Musik in Berührung?

Max: Bei mir war das so standardmäßig. Meine Eltern haben mir irgendwann eine Gitarre gekauft. Wie es halt eigentlich immer ist. Die Leute, die halt keine Bock auf Musik haben, die legen die Gitarre irgendwann zur Seite und bei mir war es halt auch erst so. Später so im Teenageralter hab ich mir das Spielen durch Tutorials et cetera selbst beigebracht.

Leon: Bei mir war es auch relativ unspektakulär. Mein Dad hat mir ein Schlagzeug geschenkt, ich hatte Bock und bin bis jetzt dran geblieben.

Paul: Bei mir war es eigentlich relativ spät. Ich hab eigentlich erst nach dem Abi, als ich wirklich nichts zu tun hatte, angefangen Gitarre zu spielen, also genau vor zwei Jahren und auch ziemlich spontan. Natürlich hab ich aber auch davor schon Musik gehört und dann mit 18 so Bock gekriegt selbst Musik zu machen. Durch das Gitarre spielen kam alles andere dann relativ schnell.

Hand aufs Herz, wie sehr steht ihr auf die Arctic Monkeys?

Leon: Ja, gar nicht!

Bekommt ihr den Vergleich oft zu hören?

Leon: Als Band an sich bekommen wir den Vergleich nicht oft zu hören, eher Advan wegen seiner Stimme.

Max: Also ich persönlich bin halt riesen Fan, schon seit Ewigkeiten.

Leon: Wir alle sind Fans – auf jeden Fall. Ich mein es ist auch schwer nicht Fan zu sein.

Max: Es ist einfach eine verdammt geile Band.

Leon: Advan ist der größte Fan!

Euer Sound ist sehr vielschichtig. Ihr habt viel Brit-Rock mit drin, viel Indie- und Alternative-Rock stellenweise sogar einige Garage-Elemente. Nehmt ihr euch bewusst ein Vorbild an namhaften UK-Bands?

Max: Dieser Garage-Teil, der war schon ziemlich am Anfang bei uns vorhanden. Wir haben einfach losgelegt, den Verstärker aufgedreht und dann war es Garage. Das war aber auch nicht bewusst so beabsichtigt, eher haben wir am Anfang viel mit unserem Sound experimentiert.

Advan: Also ich hab zum Beispiel angefangen Musik zu machen gerade wegen den ganzen UK-Bands. Die haben mich mit ihrem Sound sehr stark berührt und dadurch auch beeinflusst. Ich fand das so cool, dass ich auch Gitarre spielen wollte und letzendlich angefangen habe zu singen. Auf mich hatte das einen sehr großen Einfluss, was im Endeffekt auch viel zu unserem Sound heute beiträgt.

Ihr habt einige Songs, die schwerer, melancholischer sind, dann habt ihr wiederum auch ein paar Nummern, die von einem flowigen Surf-Indie-Pop durchzogen sind. Mit welchen Melodien fühlt ihr euch wohler und würdet ihr euch für die Zukunft auf eine Richtung festlegen wollen?

Max: Was ziemlich geil ist, ist dass wir viele verschiedene Lieder auf der EP haben. Einfach das so ein breites Spektrum vorhanden ist. Das finden wir alle eigentlich ziemlich geil und haben da auch gar nicht vor uns Grenzen zu ziehen, um uns auf eine Richtung festzulegen.

Leon: Diese Mischung momentan ist ziemlich cool und macht Spaß. Daneben ist es auch sehr abwechslungsreich, so wollen wir auch bleiben.

Advan: Wir wollen uns auf jeden Fall weiter ausprobieren und uns dabei keine Grenzen setzen.

Euch gibt es schon seit 2015, wieso habt ihr euch mit eurer ersten EP so viel Zeit gelassen?

Leon: Das wir uns Zeit gelassen haben stimmt nicht ganz, wir waren auch zwischendurch mal so im Studio. Vor einem Jahr haben wir schon angefangen was aufzunehmen und wollten sogar schon früher eine EP rausbringen. Was Studio-Sachen angeht, waren wir nur leider nicht so erfahren und dementsprechend unzufrieden mit den Aufnahmen. Daraufhin haben wir die besten von diesen sieben Songs, die wir in diesen drei Tagen aufgenommen haben, auf Spotify als Single herausgebracht. Für die nächste EP wollten wir uns dann wirklich einen Schlachtplan überlegen, damit wir letztendlich mit allem zufrieden sind und keine halbe Sache daraus wird.

Ihr sagt über „An Adolescent Opera“, dass es eure persönliche Coming-of-age-Story sei. Inwiefern habt ihr eure persönlichen Erlebnisse in der EP verarbeitet und wie kam es zu dem Titel?

Leon: Ich hab den Titel vorgeschlagen. Übersetzt heißt es „jugendliche Oper“ und meiner Meinung nach ist die Oper etwas spießiges, etwas nur für Erwachsene. Aber diese Dramatik, die es in Opern oder auch in Theaterstücken gibt, sind ja auch bei uns im Real Life, in Beziehungen, Liebschaften und Freundschaften, die man hat, vorhanden. Und in den Texten geht es auch sehr viel darum, wie diese Liebschaften, die beschrieben werden, zugrunde gehen oder man halt teilweise am Rande der Verzweiflung ist. Deswegen fand ich diesen Gegensatz der jugendhaften Oper ziemlich interessant.

Paul: Mit der Coming-of-age-Story, das bezieht sich zwar auch auf die Texte, aber auch auf uns als Band. Also mich nicht eingeschlossen, weil ich ja erst vor kurzem dazugestoßen bin aber auf die anderen drei, beziehungsweise damals die vier, wie sie als Band gewachsen sind. Die Veröffentlichung der EP ist in gewisser Weiße schon ein Meilenstein in der Bandgeschichte. Es geht nicht nur um das Erwachsenwerden, sondern auch um das Zusammenwachsen einer Band.

Reden wir noch ein wenig über die Entstehung der Songs. Wenn ihr Lieder schreibt, habt ihr am Anfang schon eine gewisse Vorstellung vom Endergenis, oder lasst ihr auch beim Songwriting eher im Moment treiben?

Max: Der Songwriting-Prozess läuft meistens so ab, dass Advan und ich uns zusammensetzen und dann halt einen Riff ausarbeiten, den entweder ich oder Advan vielleicht schon im Kopf hatte. Im nächsten Schritt wird es der Band gezeigt. Im Jam-Prozess entwickelt sich das Ganze dann weiter. Am Anfang steckt aber keine klare Vision dahinter.

Leon: Es kommt meist Stück für Stück.

Advan: Und es beginnt auch nie so wie man es anfangs gedacht hat.

Gibt es irgendwas bestimmtes, dass euch beim Songschreiben und Komponieren inspiriert?

Max: Also bei mir ist es der Fall, dass die Künstler, die ich momentan höre, mich beeinflussen und mir gerade da von den Texten, Abläufen und Melodien her Gedanken zu kommen. Ansonsten kommt es eigentlich aber ziemlich random.

Advan: Das ist halt echt so, man kann es nicht wirklich beschreiben oder es jemandem erklären, der selber nicht Musik macht. Der Prozess an sich ist schon etwas magisch: man setzt sich hin, spielt drei, vier Akkorde und singt auf einmal drauf los. Das ist einfach ein krasses Gefühl, das mit nichts zu vergleichen ist.

Ihr wohnt alle in Mannheim, hier ist die lokale Musikszene auch relativ groß. Inwiefern werdet ihr davon inspiriert und profitiert ihr als Band auch davon?

Advan: Voll. Vor allem der Bandsupport hat uns geschmiedet und uns als Band weiterentwickeln lassen. Wir sind damals noch sehr grün hinter den Ohren hineingekommen und am Ende mit dem Ziel heraus, dass wir das auf jeden Fall professionell machen wollen. Die Szene in Mannheim hat uns schon sehr viel gegeben.

Paul: Gerade auch von der Popakademie trifft man immer wieder Leute im Jungbusch, wie zum Beipiel den Dennis Borger von Fibel, der die EP produziert hat. Das ist schon eine super Hilfe, wenn man immer wieder irgendwo Connections Abends am Kneipentresen herstellen kann.

Welchen eurer Songs performt ihr am liebsten live?

Max: Welchen Song ich am liebsten höre und spiele ist „Colt“ von der Platte. Der macht einfach am meisten Bock, weil er so eine Lässigkeit hat, so einen schönen Indie-Sound, den ich gerne mag. Der macht einfach jedes Mal Spaß. Auch die Dynamik ist bei uns als Band bei dem Song live am besten.

Leon: Bei mir ist es auch „Colt“. Ich sing ja mit Advan zusammen die Backings und der macht auch einfach mega Bock zu spielen. So wie Max schon sagt, der Song ist total rustikal, normaler Schlagzeug-Beat, nicht so viel schnick-schnack, einfach straight forward.

Wenn ihr nicht gerade selbst auf einem Festival spielt, wo seid ihr privat so unterwegs?

Max: Ich mag das Maifeld Derby total gern. Das ist echt eines der geilsten Festivals. Auch wenn es hier in Mannheim ist, sind dort total geile Künstler, so viel gute Musik kompromiert auf eine Fläche. Es ist auch das einzige Festival, bei dem ich Musik kennen gelernt habe, die auch im Nachhinein hängen geblieben ist, zum Beispiel die Parcels.

Mit der EP geht es 2019 jetzt auch auf Deutschlandtour. Welche Pläne habt ihr daneben noch so für die Zukunft?

Paul: Erst einmal wollen wir den Sprung aus Mannheim und der Region heraus schaffen und dann vielleicht irgendwann auch den Sprung raus aus Deutschland.

Advan: Das ist Pauls größter Traum!

Leon: Im nächsten Schritt wollen wir auch nach und nach mehr Songs als Single rausbringen, dafür haben wir schon einige Visuals vorbereitet, die wir jetzt die nächsten Wochen veröffentlichen werden.

Paul: Wir sind momentan aber auch schon wieder fleißig am Songs schreiben.

So letzte Frage, was befindet sich aktuell auf eurer Playlist?

Paul: The Cure „Doin The Unstuck“, Current Joyce „Kids“ und The Smiths „Please, please, please let me get what I wanted“. Das wären meine drei. Und Giant Rooks „New Estate“. Den haben wir letztens sieben Stunden durchgehend auf der Fahrt nach Berlin gehört.

Advan: Die neuen Songs von The 1975.

Leon: Ich muss sagen, ich hab das erste 1975 Album nicht gemocht, aus Gründen, die ich nicht erklären kann. Aber mittlerweile find ich die Band super geil und hör die neuen Songs am laufenden Band. Ansonsten hör ich gerade viel von so einem Rapper-Kollektiv aus Minnesota, thestand4rd heißen die. Die hör ich momentan sehr sehr viel. Ich kann mich da aber auch nicht auf einen Song beschränken.

Das Video zur aktuellen Single „Baby Where You At“ von Cinemagraph gibts hier: