Prêt à écouter 7: Lambert

Lambert im Karlstorbahnhof // © Philipp Fischer

Andächtige Miniaturmeisterwerke oder doch nur Easy Listening?

An Maskenträgern gab es in der deutschen Musik gerade einmal zwei bekannte Exemplare, und beide im Hip-Hop. Mit Lambert, der sich hinter einem Antilopenkopf versteckt, bekommt auch die wortlose Klaviermusik ein Gesicht (haha). Es wird gemunkelt, der Berliner Minimalist Nils Frahm stecke hinter der Maske, da er auch Produzent des selbstbetitelten Debütalbums von Lambert ist. Klingen tut er mehr wie Chilly Gonzales, mit seinen simplen und zugleich Miniaturwelten beherbergenden Stücken.

Simpel ist auch das Konzert im Saal. Der Flügel ist kaum zur Ruhe gekommen, da beansprucht ihn Lambert für das letzte Konzert des Prêt à écouter Festivals (abgesehen von Metronomy, die in zwei Wochen in der Stadthalle auftreten). Andächtig sitzen sie da, die Zuschauer, und lassen sich von den mäandernden Melodien berieseln. Die Lieder handeln von alltäglichen Dingen, aber auch von eher skurrilen Themen. Zwei Stücke handeln von Lambert, der Laufen geht und von der Geschwindigkeit, mit der er das tut („Run“ und „Slow Slow“); ein anderes von einem jungen Vampir, der gerade erst Vampir geworden ist. Diese Konzepte erklärt der Pianist vorher notgedrungen, man würde sie allein an der Musik nicht wiedererkennen. Dass Louis Theroux ein großes Vorbild darstellt, „was das Menschliche angeht“, hört man dem entsprechenden Song nicht an. Dass die Note H viel zu selten gebraucht wird und Lambert sie aus diesem Grund 500 Mal spielt, schon eher, der Song ist einer der besseren an diesem Abend.

Man ist versucht, die Augen zu schließen und einzuschlafen. Auch wenn man gar nicht müde ist, schafft die Musik es, dass man sich in seinen Gedanken verliert und sich plötzlich fragt: „Moment, wo kommt denn die zweite Antilope her?“ Für ein paar Songs, darunter zwei Uraufführungen und ein weiteres neues Stück namens „Locked“, hat Lambert seinen musikalischen Partner – den er mit den Worten „der zweitschlauste Halbitaliener Deutschlands nach Giovanni di Lorenzo“ beschreibt – auf die Bühne geholt, zuerst ans Klavier und dann an ein präpariertes Drumset. „Locked“ und die Zugabe sind auch die Höhepunkte des Konzerts. Die Songs mutieren durch den subtilen Beat zu minimalistischen Meisterwerken irgendwo zwischen Aaron Funk und Nicolas Jaar.

Diese ernsthafte Grandeur wird aber immer wieder durch den Künstler selbst zerstört, dessen Ansagen so albern und unbeholfen wie Helge Schneider-Dialoge wirken. Sein Humor ist, neben dem Einsatz des Schlagzeugs, die zweite größte Waffe Lamberts gegen das Risiko, ins seichte Easy Listening Milieu der Dallmayr Prodomo Werbung abzurutschen. Am Ende baut er sogar noch „Die Gedanken sind frei“ ins letzte Stück ein, ein Augenzwinkern in Richtung derjenigen, die ihm das Seichte vorhalten wollen. Er offenbart einen Blick auf eine andere Lesart von Lambert, die des Easy Listening Narren, der sich mit seinen Stücken auch ein bisschen über sich selbst moquiert. Entsprechend endet das Konzert auch nicht auf der letzten, sondern auf der vorletzten Note des angespielten Liedes über die Meinungsfreiheit: „Die Gedanken sind…“ Ja, was sind sie denn? Die Antwort zu finden, wie auch die Meinung zu Lambert und seiner Musik, ist jedem selbst überlassen.

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Meinungen aus dem Publikum:

Nico: Ruhig, aber ein schönes Konzert. Hat mich manchmal an Hauschka erinnert. Total gut fand ich, als er den Schlagzeuger dazu geholt hat, der hatte es auch voll drauf.

Volker: Ich fand es ein bisschen nichtssagend, der saß da am Klavier und hat seine Etüden geübt. Hätte ruhig mehr den Schlagzeuger einbinden können. An sich war die Musik ja ganz nett so, aber vom Hocker gerissen hat es mich jetzt nicht wirklich.

Miriam: Der Typ war richtig komisch drauf, der hatte voll den komischen Humor. Aber sonst fand ich es nicht schlecht, schöne relaxte Klaviermusik. Passte irgendwie zu so einem Sonntagabend.


 

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