Prêt à écouter 7: Kate Tempest

Kate Tempest im Karlstorbahnhof // Fotos © Isabell Bohrmann

Die Britin war der Mittelpunkt ihrer mitreißenden Privatparty.

Unvoreingenommen stellen wir uns in die vorderen Reihen des Saals, um an diesem Abend die Londonerin Kate Tempest zu erleben. Der Abend wird eingeleitet von einem Vorspann der besonderen Art: A Winged Victory for the Sullen aus Brüssel spielen ein langatmiges Ambient-Set, welches mit Anklängen klassischer Musik das Publikum in seinen Bann zieht.

Danach flacht die Stimmung ein bisschen ab, da sich die Umbaupause etwas hinzieht. Als jedoch gegen 22 Uhr Kate und ihre Band auf die Bühne kommen, wird beim ersten Ton aus ihrer Kehle klar, dass sich das Warten gelohnt hat. Voller Charisma und mit einer Ehrlichkeit, die man mittlerweile nur noch selten auf Bühnen antrifft, begrüßt sie das Publikum und stellt erstmal klar, wie super nervös sie ist, dass es ihre erste Headliner Tour ist, und sie hofft, nicht zu „awkward“ zu sein. Aber mal ehrlich – wer kann bei solch einem britischem Bilderbuchakzent noch peinlich sein? Auch als die Technik kurz ausfiel, wirkte sie nicht „awkward“, sondern fing einfach an, aus dem Stehgreif zu rappen, um die kurze Pause zu überbrücken.

Dass die 28-Jährige nebst eigenen Büchern auch Theaterstücke für die Royal Shakespeare Company schreibt, wird am Konzept des Albums klar, welches sie in ganzer Länger präsentiert. Sie erzählt auf Everybody Down die Geschichte von Becky, Harry und Pete, dreier Mittzwanziger, die sich in London über Wasser zu halten versuchen.

Ihre Band besteht aus zwei Drummern, einer Lady an den Synthies und einer Backgroundsängerin. Die schnellen Synthie-Beats sind sowohl von Hip-Hop als auch von Drum’n’Bass beeinflusst, und Kate rappt sich die Kehle aus dem Leib. Das Publikum lässt sich nicht lumpen und tanzt mit; so wird aus dem Konzert irgendwie eine kleine feine Privatparty, und Kate Tempest ist ihr Mittelpunkt. Dass die Texte eigentlich traurig und düster sind, steht im Gegensatz zur mitreißenden Musik, bei der niemand mehr ruhig stehen bleiben kann.

Irgendwann sieht man sogar der fröhlichen Kate die Erschöpfung an, aber als es gegen Ende geht, legt sie bei „Circles“ nochmal richtig los. Wie auch ihr Drummer: Sie kann nicht anders, als fassungslos zu ihm zu starren. Nach dem letzten Song geht die Band von der Bühne, und als Kate für die Zugabe zurückkommt, muss sie leider gestehen, dass sie keine Songs mehr haben. Aber sie könnte ja ein paar Gedichte aus ihrem neuen Buch rezitieren? Begeisterte Zurufe, und ein paar Minuten später ist auch aus dem Rezitieren eines Gedichtes, welches Kritik an der Schnelllebigkeit der heutigen Gesellschaft übt, ein Rap geworden. Ein letztes Mal freut sich Kate, in Heidelberg zu sein, bedankt sich aufgeregt beim Publikum und dann ist der Zauber Kate Tempest auch schon vorbei.

 s


Meinungen aus dem Publikum:

Lukas: Geiler Scheiß. Die Vorband hatte ein Talent, ihren Spannungsbogen ein bisschen zu überziehen, aber Kate Tempest und Band geil, auf jeden Fall.

Michael: Kate Tempest hat eine der unglaublichsten Bühnenpräsenzen, die ich jemals gesehen habe. Ich war wirklich völlig weggefegt vom Konzert und find’s unglaublich, dass so jemand herkommt. Das Album und Kate Tempest einfach super, super, super awesome. Und ich fand, dass das Narrativ, also die Story vom Album dem Publikum wirklich mitgeteilt wird und dass wirklich irgendwie eine „connection“ da war und du total emotional mitgegangen bist und mitgefühlt hast und verbunden warst.


 


Isa

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