Interview mit Jonas Neumeyer

Hi Jonas, alles klar? Am 31. Mai findet die erste Edition des Maischwärmer Festivals in Köln statt. Fängt’s so langsam an zu Kribbeln?!

ms_logo_kleinNoch kann ich mich nicht beklagen, aber wir schreiben gerade den 27. Mai und die letzten Vorbe- reitungen laufen auf Hochtouren. Kribbeln hab ich noch nicht wirklich, das Schlimmste ist die letzte Stunde bevor die Türen aufgehen. Da geht dann der Arsch auf Grundeis…

Aus welcher Motivation heraus ist das Festival überhaupt entstanden?

Das können dir Marvin und Jan, unsere beiden Masterminds, wahrscheinlich am besten erklären, aber am Ende geht es darum lokalen Bands eine Bühne zu bieten und dem verhassten PayTo- Play-System etwas gegenüber zu stellen. Ohne das die Bands sich um Finanzen kümmern müs- sen, sondern sich ganz ihrer Musik widmen können. 

Erst einmal möchte ich euch für euer klein, aber sehr feines Line-Up beglückwünschen! Was können sich die Leute von den jeweiligen Bands erhoffen?

Erhoffen können sich die Leute vor allem super Musik. Wir haben uns beim Booking auf Bands beschränkt, deren Musik wir für qualitativ hochwertig halten und in denen wir viel Potential sehen. Ich könnte mir vorstellen, die eine oder andere Truppe in ein paar Jahren weit oben auf dem Line-Up eines viel größeren Festivals zu sehen.

Ihr habt euch hauptsächlich auf Bands aus dem Kölner Raum beschränkt. Ist dies ein Teil eures Spirits oder hat es einfach nur praktische Gründe?

Natürlich ist es ganz schön, nicht die Kosten für die Logistik als einen der größten Posten in der Kalkulation stehen zu haben, allerdings liegt das auch eher am Konzept des Festivals: Lokalen Bands eine Bühne bieten und nicht „TheNextBigThing“ aus Berlin oder London buchen.

Spannend ist vor allem, dass das Festival als reine Non-Profit-Veranstaltung geplant ist. Könntest du die Idee dahinter erläutern?

Ich glaube, wir sind einfach alle nicht die Typen, die mit Musik großes Geld verdienen wollen, son- dern das Ganze für den Glauben an gute Musik machen. Ist halt ein Herzensding, so ein kleines Festival. Bevor wir da jeder mit vollem Geldbeutel am nächsten Morgen den Laden verlassen, soll lieber auch jede Band, jeder DJ und alle Helfer mit dem rausgehen, was sie verdient haben. Weil die Hilfe der Bands bei Werbung, die Arbeiten unserer Grafikerin, die Leute die jedes Wochenende für uns Flyer verteilen eigentlich unbezahlbar. sind Da sollten dann nicht einige wenige viel mehr mitnehmen. Alles gerecht aufgeteilt. Wenn überhaupt viel übrig bleibt, man weiß ja nie.

Lass uns einen kurzen Blick auf die Aftershow werfen! Indie und Trashpop, passt das zusammen?

Eigentlich gar nicht, aber gerade das ist ja geil. Kontrastprogramm auf zwei Floors. Wer sich oben zwischen Reptile Youth, den Chvrches und Vampire Weekend nicht unterhalten fühlt, darf sich dann gerne auf dem unteren Floor bei den Venga Boys die Kehle aus dem Leib singen. Geht natürlich oben auch, aber gerade bei der Party wollten wir auch dem breiteren Publikum Pro- gramm bieten und nicht nur uns Musiknerds.

Wie ich bereits eingangs kurz erwähnt hatte, ist es das erste Mal, dass ihr dieses einzigartige Fes- tival plant. Sind während den Planungen irgendwelche unvorhersehbare Komplikationen aufgetre- ten, oder lief von Anfang an alles reibungslos?

Was wirklich unvorhersehbares eigentlich nicht. Man weiß halt nie, was noch passiert, aber bisher sind wir ganz gut durchgekommen.

Wie muss man sich die Planung eines solchen Newcomer-Festivals vorstellen? Oft haben solche Bands ja noch kein Management an das man sich wenden kann. 

Ich bin ja erst wenige Monate vor der Veranstaltung im Backstube eines Kölner Clubs rekrutiert worden. Aber an sich kann man sich das fast vorstellen, wie als würdest du eine Party in deiner Küche machen. Du fragst Leute, von denen du glaubst und bestenfalls auch weißt, dass sie was besonderes können nach Hilfe. Im Falle des Festivals beispielsweise Grafiker, Leute die ein bis- schen Ahnung von Marketing haben oder eben einen Fuß in der Tür, wenn es um Bands und de- ren Potential geht. Geht halt nicht ganz nur um das kalte Büffet auf der Fensterbank und den, der ein paar Mix-CDs mitbringt. aber an sich ist es doch recht ähnlich. In der ersten Phase kommt natürlich die Idee, überhaupt was zu starten. Dann kommt es von den Bands zur Location, von da aus zur Aftershowparty, ersten Designs und dem Aufbau eines Teams. Und dann Schlag auf Schlag: Sponsoren, Pressepartner, Catering und aus jedem Teammitglied wird das letzte Fünk- chen Energie gesogen bis wir alle am 1.6. auf der Tanzfläche einschlafen, wenn der letzte Gast nach Hause ging.

Festivals und Partys leben heutzutage von guter Promo. Wie seid ihr in der Hinsicht vorgegangen und sind noch irgendwelche Aktionen geplant?

Wir haben so ziemlich alles gemacht, von dem wir wussten, dass es geht. Bisher haben wir knappe 10.000 Flyer, hunderte Plakate, tausende Bierdeckel und sogar ein paar hundert Packun- gen Streichhölzer unter die Leute gebracht. Das Ganze gepaart mit einer Website, Social-Media und Mund-zu-Mund-Propaganda unter unseren Freunden.

Schaut man sich die Facebook-Page der Veranstaltung an, so kann man eigentlich jetzt schon von einem gelungenen Debüt sprechen. Mit wie vielen Eintritten rechnet ihr ungefähr? (Die Antwort ‚so viele wie möglich‘ gilt nicht!)

Also bei 450 sind die Konzerte voll, dann kommt keiner mehr rein. Und ich bin ja der Überzeugung, dass wir da nah dran kommen werden. Das klingt jetzt vielleicht etwas arrogant, aber glaube wir haben alle einen super Job gemacht und so eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Zur Party, die dann ja wegen eines zweiten Saales noch mehr Leute fasst, erwarten wir noch einmal ähnlich viele Leute. Alles in Allem kann das schon ganz geil werden. Oder ich erzähl in meinem Optimis- mus totalen Müll und es kommt keiner, aber daran glaubt eigentlich niemand mehr.

Wenn du drei Wünsche jetzt für den 31. Mai zu Verfügung hättest, was würdest du dir wünschen?

– Einen Haufen Catering, wir sind von 12 Uhr Mittags bis 6 Uhr morgens da. Da muss man auch an die Verpflegung denken.
– Einen Haufen Leute, die nach den ersten Takten mitsingen und sich an dem freuen, was wir da auf die Beine gestellt haben.
– Am Morgen danach ins Bett fallen und nicht mehr denken zu müssen: „Oh, heute musste noch die Mail schreiben und den anrufen und das abklären, weil wir sonst am 31. gegen die Wand fahren.“ Veranstaltungen planen macht Spaß, aber es ist hinter den Kulissen ein kleiner Knochenjob!

Jetzt noch eine kleine Abschlussfrage. In 3-4 Worten zusammengefasst: Das Maischwärmer Festival ist …

… vielleicht schon bald legendär.

Ich wünsche euch gutes Gelingen und drücke euch die Daumen, dass dieses tolle Konzept auf Einklang beim Publikum stößt.


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Yannick

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