Hinds // © Alberto Van Stokkum

Als wir Carlotta Cosials und Ade Martin von der spanischen Band Hinds im Sommer zum Gespräch getroffen, herrschten Unruhen in Katalonien, HAIM wurden mit dem Sexismus der Musikbranche konfrontiert und Trump hat seinen Alltag gelebt. Grund genug für die beiden Musikerinnen doppelt so laut in ihre Instrumente zu hauen.

Euer Sound ist sehr Low-Fi. Kommt es vor, dass Journalisten oder auch Freunde eure Musik deswegen nicht immer ernst nehmen oder als Kunst verstehen?

Das ist nicht mehr so ein großes Problem, aber es war früher eins. Ich glaube aber dass das weniger damit zu tun hat, dass unser Sound Low-Fi ist, sondern damit, dass wir viel lachen und Spaß haben. Es war eine Zeit lang an dem Punkt, dass wir nicht mehr wir selbst sein wollten, weil es schien als würden die Leute uns nur ernst nehmen, wenn wir die ganze Zeit launisch sind. Jetzt sind wir aber wieder so wie wir es sein wollen. Außerdem glaube ich ehrlich gesagt auch, dass es auch damit zu tun hat, dass wir Frauen sind. Was auch immer ein Mann macht, wird nicht hinterfragt. Aber was eine Frau macht wird immer bewertet.

Mir ist auch aufgefallen, dass viele Journalisten euch in die Feminismusecke stellen, einfach nur weil ihr Frauen seid.

Ja, ich glaube das liegt daran, dass Feminismus so ein aktuelles Thema ist. Jeder redet gerade darüber. Und Männer sollten auch darüber reden. Aber wir sind Frauen, wir haben die tatsächliche Erfahrung darin, wie es sich anfühlt eine Frau zu sein.

Im Sommer gab es eine große Debatte um das Management von HAIM. Habt ihr was davon mitbekommen?

Oh ja! Die haben ihren Manager rausgeworfen, weil sie nur ein Zehntel von dem verdient haben, das ihre männlichen Kollegen bekommen. Das ist einfach verrückt.

Im Gespräch mit Ibeyi meinte die beiden Schwestern, dass HAIM jetzt in einer guten Position sind, weil keiner es sich mit ihnen verscherzen will. Ein guter und richtiger Schritt. Themenwechsel: Ihr seid große Strokes Fans, richtig? Wie war es für euch mit deren Producer zu arbeiten?

Es war sehr gut und er hat uns viele Geschichten über die Strokes erzählt, das war cool. Aber ich würde sagen, er hat nicht viel verändert. Wir kamen ins Studio als unsere Songs schon so ziemlich fertig waren. So wie wir arbeiten ist alles ziemlich easy. Wir mögen es live. Sein Job war es in erster Linie einzufangen, was im Studio los war, nicht so sehr irgendetwas zu verändern.

Ihr seid alle so enge Freunde, war es da komisch mit einem Außenstehenden zu arbeiten?

Das war es. Unser erstes Album haben wir zusammen mit einem unserer besten Freunde gemacht – Diego. Und Paco, den wir auch schon kannten. Diego ist aus Paris und Paco Loco ist ein spanischer Produzent. Das hat sich also alles nach Familie angefühlt. Mit Gordon Raphael war es die ersten paar Tage also so als würden wir jemand Fremdes in die Familie einführen. Er war aber super nett und easy-going und am Ende war es gut.

Und er hat auch im gleichen Stil wie ihr gearbeitet?

Ja! Er war schon vorher Fan unserer Musik, das war uns wichtig.

Wir haben ja gesagt, dass eure Musik in erster Linie Spaß macht, aber nicht nur. Als ich eure Songs das erste Mal gehört hab musste ich auch an die politisch unruhigen Zeiten in Spanien denken. Haben eure Songs damit zu tun?

Ich würde sagen unsere Songs eher nicht. Aber wir sind alle überwältigt davon was in der Welt in den letzten Jahren los ist. In unserem Land hat die faschistische Partei die Wahlen gewonnen, in Amerika Trump. Alles in der Welt fällt aus einmal auseinander und ich finde, dass Musik eine Art sicherer Bereich sein sollte, wo du dir nicht dauernd Meinungen anhören musst.

Und wir finden andere Wege unsere Meinung preiszugeben. Nicht unsere Musik, aber wir haben Wege.

Eure Musik soll also eher eine Ablenkung sein?

Ja und ich glaube dadurch kann man trotzdem erkennen, was unsere Meinungen sind. Ich glaube niemand würde denken, dass wir glücklich sind mit Trump oder der Situation in Spanien, nachdem er unsere Musik gehört hat. Einfach aufgrund der Art wie wir uns auf der Bühne geben!

Also dann lasst uns nochmal über etwas ganz anderes, etwas schönes reden. Ihr habt eine Kollaboration mit Urban Outfitters für euren Merch gemacht.

Ja! Wir haben unsere eigene kleine Kollektion gemacht.

Wie genau lief das ab?

Sie haben uns geschrieben und wollten Merch von HINDS verkaufen. Wir waren immer sehr wählerisch was unseren Merch angeht, wir designen ihn selbst. Wir tragen unsere Sachen auch gerne selber! (Die beiden zeigen ihre aktuellen Outfits)

Das ist mega. Total 80s.

Ja und wir tragen unseren Merch fast jeden Tag. Wir mochten also die Idee das ein weltweites Geschäft unseren Merch haben würde. Jetzt kannst du an einem Urban Outfitters vorbeilaufen und da sind unsere Gesichter zu sehen. Das war echt cool und die Hälfte des Profits ging an eine gemeinnützige Organisation.

Und wie würdet ihr den perfekten Festival-Look beschreiben?

Es muss gut sein für warmes Wetter aber auch für Regen. Und es sollte billig sein. Man will ja trinken und Spaß haben und dreckig werden können.

Außerdem haben wir viel über die Artist Area hier nachgedacht. Hier (auf dem Maifeld Derby) gibt es Duschen und Ping Ping, eine Open Bar und einen Gemeinschaftsraum wo alle zusammen rumhängen können. Und das Backstage ist in Pferdeboxen. Das ist ziemlich cool.

Die ganze Urban Outfitters Sache war ja auch in der Hinsicht cool, dass Hipster-Kids euren Merch getragen haben, die vorher vielleicht gar nicht wussten wer ihr seid. Wolltet ihr damit auch ein bisschen Rock wieder cool machen? Oder findet ihr überhaupt dass Rock nicht mehr cool ist?

Naja, heutzutage sind HipHop und Trap einfach so sehr die Gewinner. Ich liebe Cardi B, aber sogar das Rolling Stone Magazine hat sie auf dem Cover, eine Rockzeitschrift. Die haben uns überall geschlagen, die sind fast „Bullies“. Also müssen wir wirklich Werbung dafür machen, dass es immer noch cool ist Instrumente zu spielen.

Habt ihr Ideen für Lösungen dafür?

Einfach weiter Alben machen, weiter Konzerte spielen und hart arbeiten. Wenn man mal drüber nachdenkt sind alle großen Rockstars „alt“. Also damit meine ich, sie sind schon eine Weile da. Es gibt im Moment keine große neue Rockband.

Hinds sind im Dezember für vier Termine in Deutschland:

07.12. Köln – Artheater
08.12. Munich – Strom
09.12. Berlin – Lido
11.12. Nürnberg – Club Stereo

Das Video zur aktuellen Single „British Mind“ von Hinds gibt’s hier:

Foto von: Cameron Watson