Alternative Liste 2015

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche. Kurz vor und nach Jahresende freut man sich auf die Bestenlisten wie sich Kleinkinder auf den Weihnachtsmann oder Nikolaus freuen. Dann folgt aber die große Ernüchterung, wenn in jeder Liste immer wieder die üblichen Verdächtigen auftauchen und man nicht wirklich viel aus diesen Listen entnehmen kann. Wer will schon gerne zwei Jahre hintereinander das gleiche Geschenk zu Weihnachten bekommen? Richtig, niemand. Aus diesem Grund hat unsere Redaktion eine Liste erstellt in der Acts vertreten sind, die man sonst eher nicht so auf dem Radar hat.

Baio: The Names

Der elegante Wochenend-Vampir: Baio // © Presse
Der elegante Wochenend-Vampir: Baio // © Presse (bearbeitet).

Baio ist das Soloprojekt des Bassisten von Vampire Weekend und das hört man auf The Names auch deutlich heraus. Im diesem konkreten Beispiel weiß Baio zu jedem Moment mit seiner Herkunft umzugehen und liefert uns eine Fülle an eleganten Indie-Pop-Songs, die allesamt vor Euphorie und geläufigen Melodien nur so strotzen. Einfach mal die Augen schließen und sich den tropisch angehauchten Indie-Pop für ’ne knappe Stunde geben und schon ist der Schnupfen oder die Grippe Vergangenheit.


Ben Khan: 1000 EP

Der Alleskönner: Ben Kahn // © Pip for All On Red Management
Der Alleskönner: Ben Khan // © Pip for All On Red Management (bearbeitet).

Ben Khan ist die perfekte Symbiose aus Chet Fakers Stimme, Disclosures Talent einen Hit zu schreiben und coolem 80s Style. Bei der Kombination ist es also wenig verwunderlich, dass die 1000 EP ’ne ziemlich coole Sache geworden ist. Jeder perfekt sitzende Beat lässt einen selber kaum noch ruhig sitzen und so merkt man bereits..beim..Schreiben..der Review.., dass man.. am.. Rumzappeln..ist!


BRNS: Patine

Belgium's Finest: BRNS // © Julie Calbert.
Belgium’s Finest: BRNS // © Julie Calbert.

Diese Liste ist voll mit Künstlern, die trotz ihrer bemerkenswerten Musik nicht in die Jahresbestenlisten der großen Magazine aufgenommen wurden. Da ist es nur logisch, dass ganz oben BRNS stehen. Das belgische Quartett um Drummer und Sänger Tim „Clijsters“ Philippe ist so etwas wie der ewige Geheimtipp. Patine ist ihr zweites Album und in Belgien und Frankreich schon letztes Jahr erschienen. Math Rock? Experimentell? BRNS!


Darkstar: Foam Island

Bieten aufregende Hörspiele für die Hipster-Kids an: Darkstar // © James Medcraft
Aufregende Hörspiele für die Hipster-Kids: Darkstar // © James Medcraft (bearbeitet).

Das perfekte Hörspiel für Cool-Kids. Das Duo Darkstar erzählt auf seinem aktuellen Album Foam Island nichtplakative Geschichten aus dem alltäglichen Leben. Untermalt werden diese mit elektronisch, experimentellen Beats, die aber schnell ins Ohr gehen und keineswegs weltfremd sind. Doch dies nicht allein; so bauen die Briten beispielsweise auch gekonnt Streichinstrumente in ihre Kompositionen mit ein und überraschen damit eigentlich bei jedem Song wieder auf ein Neues.


Farao: Till It’s All Forgotten

Idiosynkratische Norwegerin: Farao // © Karl Erik Brøndbo.
Idiosynkratische Norwegerin: Farao // © Karl Erik Brøndbo.

Faraos Till It’s All Forgotten ist eines der detailverliebtesten Alben des letzten Jahres. Die elektronischen Verzierungen sind subtiler als auf Currents, das rockig-poppige Gesamtgerüst trotz Experimentalität eingängig. So schafft Kari Jahnsen es, gleichzeitig nach 2005, 2015 und 2025 zu klingen. Wenn sich dann noch die Stimme der Norwegerin darüber legt, kann man Till It’s All Forgotten schon fast den Vorzug vor Hail to the Thief geben. Und dieses Album ist erst ihr Debüt!


Ghostpoet: Shedding Skin

Steht für leidenschaftliche Texte: Ghostpoet // © Kirill Kay
Steht für leidenschaftliche Texte: Ghostpoet // © Kirill Kay.

Wichtige Frage: Warum fehlt Shedding Skin in so vielen Bestenlisten? Leider haben die Alben, die gegen Anfang des Jahres erscheinen, oft schlechte Karten, da es schon so weit zurückliegt. Anders können wir es uns auch nicht erklären, dass ein Album voll mit HipHop-Blues und einer Menge leidenschaftlicher Lyrics so vergessen wird. Die Atmosphäre ist bei Ghostpoet gewohnt spooky (kein Wortspiel) und so hangelt man sich genüsslich von Song zu Song und genießt die wahnsinnige Tiefe, die Shedding Skin offenbart.


Half Moon Run: Sun Leads Me On

Haben sich (fast) komplett neu erfunden: Half Moon Run // © Pressshoot
Haben sich (fast) komplett neu erfunden: Half Moon Run // © Presse (bearbeitet).

Drei Jahre lagen zwischen dem Debüt Full Circle und der neuen Platte Sun Leads Me On. Genügend Zeit also einen Hype gründlich abkühlen zu lassen, um sich dann als Band komplett neu zu erfinden. Dieses Kunststück ist den Kanadiern von Half Moon Run mit ihrem zweitem Album gelungen. Sie sind, im Gegensatz zu vielen anderen Bands vor ihnen, nämlich keine schlechte Kopie von sich selber geworden, sondern haben einen Prozess in Gang gesetzt, der auf eine baldige dritte Ausgabe hoffen lässt. Wer steht nämlich nicht auf ’ne gesunde Mischung aus Folk, Indie und ..Tom Odell? (Okay, der letzte Punkt war ein Joke.)


Jib Kidder: Teaspoon to the Ocean

Weird Pop aus dem Schlafzimmer: Jib Kidder // © Aaron Stern.
Weird Pop aus dem Schlafzimmer: Jib Kidder // © Aaron Stern (bearbeitet).

Jib Kidders dreizehnte Veröffentlichung heißt Teaspoon to the Ocean und verdient solch komisch klingende Attribute wie verschwurbelt, hypnotisch und kraus. Die elf Songs, allen voran das großartige „The Waves“, stehen voll in der Tradition von Magical Mystery Tour, nur aus der kindlich-unschuldigen Perspektive eines mit Neo-Trippie-Hippies wie Animal Collective aufgewachsenen Schlafzimmerproduzenten. Sie als „psychedelisch“ zu bezeichnen, wäre trotzdem nicht ganz treffend: Es ist die Musik selbst, die wie auf LSD klingt, nicht der Musiker dahinter. Der ist schlicht ein As in sound manipulation.


Lea Porcelain: Lea Porcelain EP

Die Seele von Ian lebt: Lea Porcelain // © Peter Kaaden (bearbeitet)
Die Seele von Ian lebt: Lea Porcelain // © Peter Kaaden (bearbeitet).

Die Seele von Ian Curtis lebt und hat ein neues Zuhause gefunden. Die neue Adresse lautet Lea Porcelain und wurde von zwei jungen Musikern aus der Nähe von Frankfurt passend eingerichtet. Die sehr noisige Post-Punk-Wohnung besteht zwar momentan aus nur vier Nummern, soll aber im neuen Jahr konform ausgebaut werden. Düster, nebulös und tief emotional kommt die EP des Duos daher und bietet alles was das Herz vergangener Genres und Zeiten begehrt. Ein gelungener erste Schritt in eine große Karriere.


Nao: February 15 EP + „Bad Blood“

So good: Nao // ® Paul Phung.
Ein bisschen R&B, ein bisschen Funk: Nao // ® Paul Phung (bearbeitet).

Auf ihrer ersten EP hatte Nao noch Hilfe von Abhi//Dijon und Jai Pauls kleinem Bruder A.K. Paul (sofern die Gerüchte stimmen). 2015 hat sie alles alleine gemacht: Eine zweite EP namens February 15 und dann mit „Bad Blood“ die erste Single aus ihrem Debütalbum, das dieses Jahr erscheinen soll. Hier ein bisschen R&B, dort ein bisschen Funk, garniert mit festivaltauglichen Hooks und verpackt in feinster Produktion – mit diesem Sound kann man von der Britin nur Gutes erwarten.

Auf der nächsten Seite geht es mit dem zweiten Teil der Liste weiter.

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